HAGENUK NORDMARK 769W

- Wartung und Rekonstruktion -

Der Super "Nordmark" 769W der Hanseatischen Apparatebau Gesellschaft Neufeld & Kuhnke in Kiel (N&K, bzw. Hagenuk) ist ein Gerät aus dem mittleren Leistungssegment von 1938 und unterscheidet sich nur durch sein eigenständiges Gehäuse vom Ideal Blaupunkt 6 W 78. Die Marke "Nordmark" erscheint statt "Blaupunkt" auf der Skalenscheibe.

Schaltungsprinzip ........ Röhren-Superhet mit ZF 468 (473) kHz
Hersteller......................... HAGENUK (Hanseatischen Apparatebau Gesellschaft Neufeld & Kuhnke GmbH, Kiel)
Herstelljahr ................. 1938/39 Seriennummer: Etikett untergegangen (Baujahr nicht vor 08/1938)
Anzahl Kreise ................ 6 Kreis(e) AM, 2 Bandfilter
Wellenbereiche ............ Langwelle (200...579kHz), Mittelwelle (730...2000 kHz) und Kurzwelle (17...51 m)
Ausstattung ................... Bandbreitenregelung, Schwundausgleich, Gehörrichtige Lautstärkenregelung, Tonblende, Magisches Auge, VDE-Anschlüsse für hochohmigen Zusatzlautsprecher und Plattenspieler
Spannungsversorgung . Wechselstrom 110 - 125 - 220 - 240 Volt
Lautsprecher ................. dynamischer Breitband-Lautsprecher mit Feldspulenmagnet
Leistungsaufnahme .... 78 W
Abmessungen (BxHxT) . 544 x 39,2 x 29,1 mm
damaliger Preis ............ 262,75 RM
Röhren .......................... ACH1 - AF3 - AB2 - EFM11 - AL4 - AZ1
ähnliche Typen ............. Ideal Blaupunkt 6 W 78, 6 GW 78 (Allstrom), Vorjahresmodell Nordmark 648 KW (Ideal Blaupunkt 4 W 77 und 5 W 77)

1. Rundfunkjahr 1938/39

Zwar geht es auf dieser Seite darum, den Empfänger wieder in Betrieb zu nehmen. Der Kontext der Zeit, aus dem das Gerät stammt, kann aber nicht unerwähnt bleiben.

Weltempfänger mit leistungsfähigem Kurzwellenempfang nahmen in den für die Rundfunkindustrie eher goldenen Jahren bis 1938/39 einen bedeutenden Raum in der Angebotspalette ein. Neben den fast unerschwinglichen Modellen der Oberklasse (z.B. Blaupunkt 7W77, Telefunken 7000) wurden gerade in diesem Segment technische Neuerungen zuerst an den Markt gebracht.

In den Jahren bis 1939 verzeichnete die staatlich gelenkte Rundfunkindustrie bei sinkenden Preisen in Deutschland Absatzrekorde. So wurden zuletzt ca 3 Millionen Empfänger aller Typen abgesetzt. Nachdem der Einheitspreis des Volksempfängers zur IFA 1938 abermals gesenkt wurde, legte der Reichskommissar für die Preisbildung, Josef Wagner, im März 1939 weitere 5% Preissenkung per Verordnung für die anderen Gerätetypen fest. Röhrenpreise hatten sich seit dem Anfang der Dreißiger Jahre fast halbiert. Die weiter reglementierte Produktion von Empfängern für den Inlandsmarkt sank auf etwa ein Drittel im Jahr 1943, davon mehrheitlich DKE (vgl. Goebel, G.: Der deutsche Rundfunk bis zum Inkrafttreten des Kopenhagener Wellenplanes. In: Archiv für das Post- und Fernmeldewesen, 1950, Nr. 6, S. 353–454, hier S. 415), hochwertige Geräte waren dem Exportmarkt vorbehalten. Die in den Dienst für Führer, Volk und Vaterland gestellte Industrie erhielt staatlich kontigentierte Aufträge für den Deutschen Kleinempfänger ("Goebbels' Schnauze"), einem Billigempfänger für den Nahempfang, mit dem auch die letzten Volksgenossen ohne Radio an den Staatsrundfunk angeschlossen werden sollten. In bedeutendem Umfang wurden auch Kleinempfänger im besetzten Ausland (Philetta in den Niederlanden) requiriert.

Ab 1937 stellte Hagenuk die Entwicklung von Rundfunkgeräten ein und übernahm das Chassis für sein Radiogeräteprogramm von Ideal-Blaupunkt. Das Nordmarkgerät 769W kam 1938 als eines der letzten auf den Markt, Verkaufszahlen für diesen Typ sind nicht bekannt. Im Jahr 1939/40 boten weder Hagenuk noch Bosch neue Modelle an, sondern stellten auf Rüstungsproduktion um. Ab 1940 fertigte Hagenuk u.a. Funk- und Empfangsgeräte für die Wehrmacht, darunter den Meterwellen-Detektor "W. Anz. g1", abgekürzt "Wanze“ (FuMB 8 und 9, 1942/43) und anderes Rüstungsmaterial. Zu einem technischen Aufschwung in der Geräteentwicklung für den Privatmarkt kam es erst nach 1948 mit der Einführung der Ultrakurzwelle.

2. Erste Durchsicht und Befund

Das Gerät wurde als Torso in einer Auktion günstig erworben. Leider fehlte das Gehäuse ebenso wie der Lautsprecher samt Feldspule und Ausgangstrafo (TF21/5z und LA37/4z). Auch Netzgleichrichterröhre und Endröhre fehlten. Schon diese Aufzählung sollte klarmachen, dass es hier nicht mit der üblichen "Kondensatorkur" getan ist. Es ist eher ein Projekt mit ungewissem Ausgang, bei dem man mit allem rechnen muss, Erfahrungszuwächse und tiefere Einsichten sind garantiert.
Es zeigte sich schnell, was man gemeinhin "verbastelt" nennt: Statt der Kombiröhre EFM11 war eine EM11 eingesteckt, die Sockelbeschaltung der Anzeigeröhre war unvollständig und fehlerhaft überarbeitet.

Die Beschaltung von Spannungswähler, Sicherung und Schalter entspricht nicht dem Schaltplan. Die Primärwicklung von ca 45 Ohm hat keine Anzapfungen. An der Pappe der Trafowicklung zeigen sich Brandspuren. Die Heizwicklung und die Zuleitung zum Schalter haben Klemmuffen. Die Trafobleche sind paketweise gewendet eingebaut. Alles deutet darauf hin, daß die Primärwicklung des Originaltrafos durchgebrannt und alles komplett neu gewickelt wurde. Als Krönung war die Feinsicherung mit einem dünnen Draht überbrückt worden. Der Netzschalter am Poti schaltet, hat aber einen Übergangswiderstand von ca 50 Ohm. Die Entstörkondensatoren C105 und C106 sind geplatzt und an der Plusseite abgeknipst. Fast alle Bosch-Kondensatoren sind rissig und unbrauchbar geworden. Der Sperrkreis-Schaltkontakt war verbogen und dessen Spule abgebrochen, die Antennenbuchse aufgeweitet und unbrauchbar.
Auf der Habenseite stehen: solides Chassis aus dickem verzinktem Blech ohne Rost mit guten Röhrenfassungen, die aufwendige Drehko-Mechanik und die Skalenanzeige sind mechanisch in Ordnung, Bandfilter, Vor- und Oszillatorkreise sind unberührt mit Originalsiegeln, ACH1, EF3 und AB2 vorhanden, Chassisunterseite original, Skalenscheibe mit Aufdruck "Nordmark" noch heil, wenn auch im Aufdruck feinrissig. Bei dieser Ausgangslage also eher ein Fall fürs Ersatzteillager. Allein der fehlende Lautsprecher und die teure Anzeigeröhre machen einen Wiederaufbau unwirtschaftlich. Wäre da nicht die seltene Skalenscheibe...

Nordmark 769W aus dem Händlerprospekt

Abb. 1 Nordmark 769W aus dem Händlerprospekt

3. Bedienhinweise

Kombinierte Bandbreiten-und Klangregelung und 9-kHz-Sperre

Der rechte Bedienknopf erlaubt per Drehbewegung eine kontinuierliche Regelung der Klanggüte. In der Endstellung rechts kann die Sperre, die das Interferenz-Pfeifen von benachbarten Sendern unterdrückt, inaktiviert werden. Die Bandbreite kann per Druck- und Zugbewegung verändert werden. Sie ist durch eine kapazitive Kopplung der Kreise des ersten Bandfilters mittels Differential-Drehko realisiert und gedacht für den Empfang eng benachbarter Frequenzen, die bei MW im 9-kHz-Abstand nebeneinander liegen. Beim Empfang ortsnaher Sender kann auf sie verzichtet werden.

Der linke Bedienknopf ist für die Lautstärke. Am Linksanschlag kann aus- und eingeschaltet werden.

Zusatzlautsprecher

Die VDE-Steckbuchsen für den Zusatzlautsprecher sind als primärseitige Ausgänge ausgelegt und führen Anodenspannung gegen Masse. Hier dürfen keine niederohmigen Lautsprecher direkt angeschlossen werden. Ein zusätzlicher Ausgangsübertrager oder ein hochohmiger Lautsprecher sind erforderlich.

Feinsicherung

Die Leistungsaufnahme des Geräts ist mit 78 Watt bei 6 Röhren relativ hoch. Bei 230V muß eine Feinsicherung mit 0,7A eingesetzt sein.

4. Überarbeitung des Chassis

Das Chassis des Hagenuk 769 W ist ein Blaupunkt des Typs 6 W 78. Die folgenden technischen Angaben sind deshalb dem Blaupunkt Servicehandbuch entnommen.

Chassis 6 W 78Abb. 2 Chassis des 6 W 78

Der Hagenuk-Schaltplan enthält keine Bauteilnummerierung. Sie stammt aus der Bauteilliste von Blaupunkt. Blaupunkt listet nur Widerstände und Kondensatoren, aber nicht die Sonderbauteile.

Bauteilliste zum 6 W 78Abb. 3 Bauteilliste zum 6 W 78

Heute ungewöhnlich, wurden die Werte für die Kondensatoren in der Masseinheit "cm" (Zentimeter) angegeben. Auf die Herleitung der Umrechnung wird an anderer Stelle eingegangen, merken kann man sich die Regel 1 cm = 1,12 pF. Außerdem war die Einheit "T" gebräuchlich für das heute verwendete "nF".

Schaltplan

Es existieren verschiedene Versionen von Schaltplänen mit leichten Abweichungen und es gibt Abweichungen in den Bauteilwerten bzw. -einheiten vom Schaltplan. Aus diesem Grund wurde eine Schaltplanversion erstellt, die die Informationen der verschiedenen Versionen konsolidiert. Maßgeblich bei Widersprüchen war das vorgefundene Originalteil im Gerät. schematics 6 W 78

Abb. 4 korrigierter Schaltplan mit Bauteilnummerierung

Schaltungsdetails

Dieser 6-Kreis AM-Super hat für jeden Wellenbereich schaltbare Vorselektions-Schwingkreise, die auf kurzem Weg die Schaltgruppen des Wellenschalters integrieren und direkt am Hexoden-Steuergitter der Mischröhre ACH1 liegen. Deren Triodensystem generiert die ZF-Frequenz, sie wird über eine interne Verbindung der Gitter g3 und g1 multiplikativ dem Antennensignal hinzugemischt. Die Oszillatoranode wird über R48 parallel gespeist. Die Oszillatorfrequenz kann per Oszillograph am Punkt C43 abgegriffen werden. Der Generator muß sicher anschwingen und einen sauberen Sinus liefern, der sich in der Frequenz ändert, wenn man den Wellenschalter durchschaltet und den Abstimmknopf dreht. Vor der ZF-Gruppe kann man mit dem Oszillograph am Punkt C46 das Mischprodukt aus Oszillator- und Vorkreis-HF untersuchen.
Um den ZF-Verstärker AF3 sind zwei Bandfilter gruppiert, wobei das erste die ZF induktiv an den Eingang der AF3 leitet. Das zweite Bandfilter im Anodenkreis enthält eine Anzapfung, über die die ZF an die Dioden der AB2 gelangt. Besonderheit der Schaltung ist die Bandbreitenregelung: sie ist über den Differential-Drehkondensator C58 kontinuierlich regelbar. Die demodulierte NF kann am Punkt C79 und nach dem Lautstärkeregler am Punkt C80 abgegriffen werden.

Bandbreitenregler Abb. 5 Bandbreitenregler, aus: Pitsch, Helmut: Lehrbuch der Funkempfangstechnik, 1948

Die ZF-Ausgangsspannung steht - über den Wellenschalter geleitet - mit C80 und Lautstärkeregler R81 am Eingang des Audioverstärkers an und ist an den Widerständen R30 und R72 durch einen Gleichspannunganteil überlagert, der zur Gegenkopplung des HF-Verstärkers genutzt wird. Das Pentodensystem der Kombiröhre EFM11 wird zur Vorverstärkung des Audiosignals genutzt. Aus diesem Grund darf keine EM11 eingesetzt werden, wenn das Auge nicht mehr leuchten sollte. Vom Lautstärkeregler R81 wird dem Steuergitter des Fünfpols die NF zugeführt. C23 sperrt die Gleichspannung, damit Regelspannung über R20 auf das Steuergitter einwirken soll. Damit die NF die Leuchtflächen nicht beeinflußt, wird die Schirmgitterspannung mit C24 geglättet.

Bei Austausch bzw. Ergänzung der EFM 11 ist zu beachten, dass es eine frühe und eine spätere Ausführung gibt, die sich in Ansprechverhalten und Klirrfaktor unterscheiden.
Bei der frühen Ausführung (Telefunken ab Juli 1938) erhält sie die verzögerte Regelspannung wie die Vorröhren, reagiert also auf schwache Signale nicht. Diese Bauart hat einen niedrigen Klirrfaktor. Für eine Aussteuerung bis Ua = 5 Veff etwa liegt er bei 1 - 1,5 %. Die Grundgittervorspannung von -1,5 V wird voreingestellt mit RC-Glied R75 (200 Ω) und C72 (30 µF/10 V) am Katodenfußpunkt. Bei dieser Gittervorspannung ist die Verstärkung für kleine NF-Amplituden etwa 80fach, während die größte Regelspannung in erster Linie durch das Anzeigesystem bedingt ist. Für den Empfang des Ortssenders (größte Regelspannung) soll man noch auf die Träger­frequenz abstimmen können. Dazu muß noch ein geringer Schattenwinkel vorhanden sein. Bei einer Regelspannung von -20 Volt ist dieser nur noch etwa 3 Grad breit. Die Verstärkungs­änderung beträgt dabei etwa 1:6,5.
Die neuere Ausführung zeigt auch noch schwache Signale an, wenn ihr die unverzögerte Regelspannung (max. -13 V) zugeführt wird. Die Anfangsverstärkung liegt höher, wobei die übliche Gitter­­vorspannungserzeugung nicht vorgesehen ist, die Katodenkombination R75, C25 somit entfällt. Bei einer Gitterspannung von 0 Volt entsteht jedoch durch den dann einsetzenden Gitterstrom am Vorwiderstand R74 eine geringe Vorspannung, zu der noch die Anlauf­spannung der Diode hinzukommt, so daß doch eine Vorspannung von etwa -1 Volt am Gitter wirksam ist. Der Anzeigeteil arbeitet bereits mit Anodenspannungen um 100 Volt. Der Klirrfaktor liegt mit ca. 2 % etwas höher als bei der älteren Ausführung (nach: Funk-Technik Nr. 4/1948, S. 95).

In der Stellung Phono laufen Oszillator und ZF weiter. Der Wellenschalter schaltet nur den Vorverstärker auf den Phonoeingang um. Der große elektrodynamische Lautsprecher und die kräftige Lautsprecherröhre AL4 sorgen für den guten Ton. Über ein RC-Glied R86 und C84 werden HF-Anteile ausgesiebt.

Röhrenplan

A-Röhrensatz 6 w 78Abb. 6 A-Röhrensatz 6 w 78 / 769W

Spannungsversorgung

Die Schaltung dieser Baugruppe ist konventionell mit einer AZ1 als Gleichrichter aufgebaut. Die Anodenwicklungen sind mit 5 nF geblockt. Die Feldspule wird wie üblich als Drossel genutzt und liefert 255 V Anodenspannung, weitere 150 V werden an den Widerständen 8 KOhm verheizt, sodass 95V für die Schirmgittervorspannung bereitstehen. Eine an die 4-Volt-Heizwicklung geklemmte Zusatzwicklung soll 6,3 Volt für die Mitte 1938 neu herausgekommene E-Röhre EFM11 liefern.

Netzspannungstransformator

Als Trafo ist ein 80-Watt-Typ in der Breite 97 mm, ca. M102-EI-Kernschnitt eingebaut (Kennung Tf-37/1z). Er wurde zunächst probeweise mit einem Vorschaltwiderstand 60 Watt und dann direkt ans Netz angeschlossen. Die Anodenleerlaufspannung war mit 330 V~ zu niedrig, aber akzeptabel, die Heizwicklungen aber zeigten deutlich Unterspannung: 3,4 V~ (Heizung A-Röhren) und 5,8 V~ (Heizung E-Röhre) liegen außerhalb der Toleranz. Die Heizwicklungen (CUL 1,6mm und 0,6 mm) wurden um jeweils 2-3 Windungen ergänzt und eingeharzt. Der Trafo liefert nun Leerlaufspannungen von 340/339V~ für die Anoden, 6,7 V~ für EFM11, 4,6 V~ für die AZ1 und 4,1 V~ für die übrigen Röhren und Glühbirnen. Der Gleichrichter stellt +336 V- am Ladeelko bereit. Die Spannung wird beim Einschalten in ca 1 Sekunde aufgebaut. Hinter der Feldspule wird am Siebelko die Sollspannung +255 V- erreicht. Der Gleichrichter zieht ca 1,1 A Heizstrom, die Katodenfäden glühen unter Teillast gleichmäßig.

Glühlampen

Es handelt sich lt. Schaltplan um zwei klare Kugellampen, 4V 0,8A, Sockel E10. Die eingebauten falschen Lampen 6V 0,8 W leuchten nicht hell genug.

9-kHz-Sperrkreis

Der Spulenkörper ist empfindlich gegen seitlichen Druck und bricht unten leicht ab. Beim Reinigen können die dünnen Drähte der Spule leicht abbrechen. Beides kann aber schnell repariert werden. Am besten Spulenkörper erst am Ende der Wartungsarbeiten montieren.

Zweibandschalter

Dieer Ausschaltkontakt ist offen und so verbogen, dass keine Schaltung stattfinden konnte. Der Poti für die Tonblende hat korrekte Werte. Der Differential-Drehkondensator wurde zur Reinigung der Platten und Keramik-Isolatoren auseinandergenommen.

Lade- und Siebelko

In den originalen Siemens-Blechkasten wurden neue Elkos mit 550V- eingebaut.

Widerstände

Anoden- und Gitterwiderstände wurden nachgemessen, ebenfalls die Spannungsabfälle. Aufgrund abweichender Spannungen konnten Problemkandidaten unter den Widerständen gefunden werden:

  • R51 8000 Ohm, Lastwiderstand, überhitzt, aber noch intakt, vorerst belassen
  • R49 10000 Ohm, (Schaltplan) 40000 Ohm (eingebaut), gemessen 160 kOhm, Anodenvorwiderstand, deutlich hochohmig, ersetzt durch 10000 Ohm

Kondensatoren

Ideal-Blaupunkt war ab 1930 de facto ein Unternehmen im Bosch-Konzern. Naheliegend, daß Komponenten für die Rundfunkgerätefertigung von Bosch geliefert wurden. Die Kondensatoren im schwarzen Vergußmantel tragen alle das Bosch-Firmenlogo und eine Wertangabe in cm. Sie sind allesamt aufgerissen, die Rollen liegen blank und wurden aus Alterungsgründen oder Toleranzabweichungen gegen moderne Folienkondensatoren (Spannungsfestigkeit 400 V bis 1,2 kV-) getauscht. (Man sollte diese defekten Teile nicht wegwerfen, sondern dem Gerät beilegen, denn sie erzählen Geschichte).

Beim Ersatz der Filterkondensatoren kommen drei Werte in Frage: 200cm = 220pf, 300cm =330pf, 285cm = 315pF bzw. 330pF oder 310pF. Als Dielektrikum in Betracht kommen hier Glimmer, Styroflex und keramische Kondensatoren. In Schaltbildern werden die Werte schon mal mit falschen Einheiten (pF statt cm) angegeben.

  • C5 100 pF, außer Toleranz, ersetzt durch 100 pF, keram., 1 kV-
  • C6 150 pF, außer Toleranz, ersetzt durch 150 pF, keram., 1 kV-
  • C24 40000 cm=44800 pF, ersetzt durch 47 nF, 1.5 kV
  • C25 50000 cm=56000 pF, defekt, ersetzt durch 50 nF, 1.5 kV
  • C43 100 cm=120 pF, außer Toleranz, ersetzt durch 120 pF, 400 V
  • C45 50000 cm=pF, defekt, ersetzt durch 50 nF, 1.5 kV
  • C46 10000 cm=11200 pF, defekt, ersetzt durch 10 nF, 1.5 kV
  • C47 0,1 μF, Prüfspannung 1200 V, fehlend, ersetzt durch 0,1 μF, 630V-
  • C53 200 cm, +/- 3%, defekt, von Monette (Mock&Netteck, Berlin)ersetzt d. 220 pF +/-2% Glimmer, 100 V
  • C56 285 cm, +/- 3%, defekt, von Monette (Mock&Netteck, Berlin)ersetzt d. 315 pF +/-2% Glimmer, 100 V
  • C61 0,1 μF, Prüfspannung 1200 V, defekt, ersetzt durch 0,1 μF, 630V-
  • C62 300 cm, +/- 3%, defekt, von Monette (Mock&Netteck, Berlin), ersetzt d. 330 pF +/-2% Glimmer, 100 V bzw. Styroflex 330 pF H 160 V
  • C65 300 cm, +/- 3%, defekt, von Monette (Mock&Netteck, Berlin), ersetzt d. 330 pF +/-2% Glimmer, 100 V bzw. Styroflex 330 pF H 160 V
  • C76 20000 cm=22400 pF, defekt, ersetzt durch 22 nF, 1.5 kV
  • C78 0,1 μF, Prüfspannung 1200 V, ersetzt durch 0,1 μF, 630V-
  • C80 20000 cm=22400 pF, defekt, ersetzt durch 22 nF, 1.5 kV
  • C87 1 μF, Prüfspannung 1200 V fehlend, ersetzt durch 1 μF, 630V-
  • C88 20000 cm=22400 pF, defekt, ersetzt durch 25 nF, 1.5 kV
  • C90 10000 cm=11200 pF, defekt, ersetzt durch 10 nF, 1.5 kV
  • C92 30 μF, 18V-, defekt, ersetzt durch 33 μF, 35V-
  • C103 12 μF, defekt, ersetzt durch 16 μF, 550V- Einbau in Siemens-Box
  • C104 8 μF, defekt, ersetzt durch 10 μF, 550V- Einbau in Siemens-Box
  • C105 5000 cm= 5600 pF, defekt, ersetzt durch 5.0 nF, 1.5kV-, MP, Y-Kondensator, VDE
  • C106 5000 cm= 5600 pF, defekt, ersetzt durch 5.0 nF, 1.5kV-, MP, Y-Kondensator, VDE
  • C118 1500 cm=1680 pF, außer Toleranz, ersetzt durch 1.5 nF, 1.5 kV
  • C121 30 μF, defekt, ersetzt durch 33 μF, 35V-

Bei der Fertigung wurden die Anschlüsse vor dem Löten durch die Lötösen geführt und umgebogen. Daher nicht an den Teilen ziehen, besser vorher abknipsen. Den Austausch Teil für Teil durchführen, damit sich keine Kontaktierungsfehler einschleichen. Beim Austausch von Teilen Lage, Länge der Zuleitungen und Massepunkte nicht ändern. Das Foto zeigt die Lage der Bauteile vor dem Teileaustausch.

Chassisunterseite mit Bauteilpositionen
Abb. 7 Unterseite des Chassis mit Bauteilpositionen nach Blaupunkt Bauteilliste

Vorkreise und Oszillatorkreise

Zur Kontrolle können die Abschirmbecher leicht durch Abschrauben der 4-Kantmuttern an der Unterseite entfernt werden. In beiden Baugruppen ist jeweils ein keramischer Dreifachtrimmer in Quetschbauweise eingebaut. Die Abgleichkerne sind nicht fixiert. Im Oszillatorspulensatz befinden sich zusätzlich zwei hochwertige und engtolerierte (3%) Festkondensatoren C37 und C38. Bei der Ersatzbeschaffung ist zu berücksichtigen, dass sie für Gleichlauf und Temperaturstabilität der Oszillatorfrequenzen mitverantwortlich sind. Der Bauart nach scheinen es Glimmerkondensatoren so sein, ähnlich denen in den ZF-Filtern.

Vor- und OszillatorkreiseAbb. 8 Die Eingeweide der Vorkreise (links) und des Oszillators (rechts). Die Trimmerschrauben sind mit Spiritus bereits beweglich gemacht.

Bandfilterreparatur

Sind die ZF-Filter nicht durchgängig oder abgleichbar, die Bandfilter zuerst aus der Beschaltung löten und den Filtertopf dann abschrauben (Die zwei 6-Kant-Muttern an der Unterseite sind mit einer passenden Nuß gut erreichbar), eine Reparatur im eingebauten Zustand empfielt sich nicht.

Um an die Spulen zu kommen, die Halteklammer oben etwas anheben, dann wegschieben. Den Alu-Topf vorsichtig abziehen, denn der Spulenkörper hängt dann locker nur an der Sockelscheibe. Die Zuleitung zum AF3-Domkontakt paßt mit etwas Nachdruck gerade durch die Öffnungen an Klammer und Filtertopf - Geduldsache. Im Unterschied zu den solide gearbeiteten Vor- und Oszillatorkreisen wirken die fragilen Bandfilter wie mechanische Billiglösungen. Die Kerne sind durch eine Wicklung Bindfaden befestigt und nicht fixiert. Ihr Stand deutet auf eine (über-)kritische Kopplung ab Werk hin.

Meist verwendete Blaupunkt als ZF-Kreiskondensatoren die durch Alterung unbrauchbar gewordenen Glimmer-Silber-Kondensatoren (runde Keramikfassung) der Fa. Hescho, Hermsdorf - bei diesem Gerät wurden aber werksseitig andere rechteckige Kondensatoren (Minette) an die Kontakte punktgeschweißt, siehe Abbildung 9.

ZF-Bandfilter freigelegt
Abb. 9 Bandfilter I zur Inspektion freigelegt. Die Koppelspule ist unten zwischen den Kondensatoren angebracht.

Die Toleranz dieser Teile ist +/- 3%, die Ummantelung ist nicht keramisch, sondern aus wachsartigem Weichmaterial. Die losen Spulen möglichst wenig bewegen, da die spröden Drahtenden der Litzen dabei abbrechen können. Die alten Kondensatoren so abkneifen, dass ein Rest lötbarer Anschluß verbleibt, an den die neuen Kondensatoren angelötet werden, siehe Abb. 10.

ZF-Bandfilter in Reparatur
Abb. 10 Bandfilter I in Reparatur. Ein Kondensator ist bereits ausgewechselt.

Nach Einbau ist ein ZF-Abgleich unumgänglich.

Wellenschalter

Der Wellenschalter hat Schaltkontakte für den Vorkreis (B, C, D, E) und für den Oszillator (F, G, H, J), vgl. Abb. 7. Mit diesen Kontakten werden die für den Wellenbereich passenden Schwingkreise eingeschaltet und die nicht passenden auf Masse gelegt. Weitere Kontakte schalten den Antenneneingang (A) und den Phonoeingang (K). Die Mittenkontakte laufen in den jeweiligen Spulensatz, die oberen und unteren Kontakte sind auf der Chassisunterseite beschaltet. Eine Übersicht der Schaltzustände je nach eingestellter Welle enthält der Schaltplan. Als Arbeitsstellung wird die Verbindung vom Mittenkontakt zum unteren Schaltkontakt bezeichnet (weißer Kreis, vgl. Schaltmatrix im Schaltplan). In der Arbeitsstellung drückt die Schaltnocke den Mittenkontakt auf den unteren Kontakt. In der Ruhestellung (schwarzer Punkt) betätigt die Nockenwelle den Mittenkontakt nicht, die Verbindung von Mittenkontakt zum oberen Schaltkontakt bleibt geschlossen (in Ruhe). Schalter G nutzt auch die Mittelstellung (X) für die Langwelle. An der Mechanik (Nockenwelle) sammelt sich meist ein verharztes Fett-/Staubgemisch an und macht die Drehbewegung schwerfällig. Noch wichtiger ist die Reinigung der Kontaktflächen (Je Schalter drei) zu nehmen. Hierzu taugt ein dünner mit Tunerspray getränkter Stoffstreifen. Keine aggressiven Reiniger einsetzen und nicht kratzen. Mit Ohmmeter nachkontrollieren, ob noch Übergangswiderstände zwischen den Kontakten bestehen.
Der Bedienknopf für den Wellenschalter enthielt in den Rillen Farbreste. Anscheinend ist die Kennfarbe für die Kurzwelle blau, Mittelwelle weiß, Langwelle rot und Phono farblos (Knopf von vorn-oben betrachtet).

5. Inbetriebnahme

Da in allen Baugruppen größere Eingriffe notwendig waren, um die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen, erfolgte eine schrittweise Inbetriebnahme. Die umfangreichen Eingriffe in die Spannungsversorgung konnten, nachdem ein Fremdlautsprecher mit Feldspule eingebaut wurde, zuerst überprüft werden. An den NF-Röhren lagen die korrekten Spannungen an. Der Schraubendrehertest am Phonoeingang verlief sofort erfolgreich; AL4 und die Triode der EFM11 arbeiten, es zeigt sich nur bei aufgedrehtem Regler ein geringer Restbrumm, der der Kompensationswicklung (Humbucking Coil) über der Feldspule zu verdanken ist. Es folgen die Inbetriebnahme des NF-Teils, anschließend von Oszillator und Vorkreisen mit ACH1. Im Blaupunkt-Schaltplan sind die Oszillator-Schwingströme für KW, LW und MW angegeben.

Diverse Fehler am Mischereingang

Die Eingangsverstärkung des vom Vorkreis HF-Signals war komplett ausgefallen. Der Eingangsverstärker reagierte überhaupt nicht auf die Einspeisung eines Antennensignals, obwohl der Messender bis in den Millivoltbereich aufgedreht wurde. Die Einkreisung beginnt am besten am Antenneneingang. Eine neue massive Buchse ersetzt die total verbogene Hülse der alten Buchse. Alle Spulen des Antenneneingangs erwiesen sich als intakt. Die kleinen Kapazitäten lagen außerhalb des Toleranzbereichs und wurden durch keramische Kondensatoren ersetzt.

Zwischen dem Gitter g1 der ACH1 und Masse zeigte sich allerdings ein klarer Kurzschluß von 0 Ohm. In Frage kommen alle Teile an den betreffenden Wellenschalterkontakten C - E, darunter Drehko und andere Kondensatoren. Sie konnten alle ausgeschlossen werden. Letzte Möglichkeit: die geschirmte Leitung, die quer zum Bandfilter läuft (Rückleitung der Regelspannung). Sie hatte an einem Ende einen Feinschluß durch ein einziges zu weit herausragendes Stück Schirmungsdraht, wohl ausgelöst durch leichte Bewegung des Kabels beim Teiletausch!

Nach Behebung dieses Fehlers arbeitete die Hexode der ACH1 aber immer noch nicht. Spätestens an diesem Punkt waren die Spannungen an den Anoden zu messen. Erwartungsgemäß war die Spannung an der Anode des Oszillators korrekt. Die Spannung an der Mischer-Hexode lag aber nur bei 22 V-! Hierfür kann es nur eine Ursache geben: der Anodenvorwiderstand R49. Im Plan mit 10 kOhm angegeben, fand sich ein originales 40 kOhm-Exemplar mit einem gemessenen Widerstand von 160 kOhm. Nach Einbau von schaltplanmäßigen 10 kOhm lag die Anodenspannung nun bei 220 V-. Damit sollte die HF-Mischung nun in Gang kommen.

Messung: Empfänger auf MW, Abstimmung auf Skalenmitte, Prüfsignal an der Antennenbuchse: 60% moduliert mit 4 kHz, 10-50 μV über künstliche Antenne von Grundig. Meßpunkt: g1 von AF3 mit HAMEG 412, Stellung AC, Trigger normal.

Knackgeräusche beim Kaltstart

Beim ersten Start kam es wiederholt zu kräftigen Knackgeräuschen. Da Entladungen als Ursache vermutet wurden, wurde die Leitungsführung zwischen Netzteil und Endstufe sowie die Anodenspannung geprüft, jedoch ohne Befund. Durch einen zufälligen Blick von oben in die AL4 kam Licht ins Dunkel: Ab 200 V Anodenspannung baute sich zwischen den Gittern ein blaues Leuchten auf - ein Zeichen für ionisierte Gase im Innern! Auf dem Röhrenprüfstand zog die Röhre bei -40V Gittervorspannung und Hochfahren der Anodenspannung schlagartig mehr mehr als 100 mA Strom. Offenbar ein Isolations- bzw. Vakuumdefekt an einer als geprüft gekauften Röhre.

6. Abgleich

Der folgende Abschnitt setzt Vorkenntnisse und einige Erfahrung voraus. Einen Einstieg zur Einarbeitung in die Materie bietet u.a. die ausführliche Seite Wumpus Welt der Radios

Abgleichschritte

Für den Hagenuk kann die Abgleichinfo von Blaupunkt herangezogen werden. Abgleichpunkte, Reihenfolge und Bedämpfung beschreiben die folgenden Abgleich-Hinweise: AbgleichhinweiseAbb. 11 Abgleichhinweise

Vorbereitung

Achtung: Abgleicharbeiten nur mit aufgeschraubten Abschirmbechern vornehmen! Oszillator- und Vorkreisspulenkerne sind nicht fixiert. Der rote Siegellack an den Trimmerblöcken ist alkohollöslich, bis zum Wiedererhärten bleibt für die Einstellung genügend Zeit. Zum Einstellen der Trimmer ist eine 6-Kant-Nuß aus Kunststoff ideal, die auch duch die Bohrung des Topfes passt. Vor dem Kurzwellenabgleich prüfen, ob die Kerne noch mit den Fassungsröhrchen aus Kunststoff verklebt sind. Man bemerkt, dass der Langwellenvorkreis keinen Spulenkern hat. Das ist werksseitig so vorgesehen, auch wenn es in manchen Schaltplänen anders gezeichnet ist (vgl. auch Abb. 12).

Die Bandfilterkerne sind ebenfalls frei beweglich und nur oben durch ein Papiersiegel gesichert. Die unteren Kerne ggf. durch Wegdrücken versperrender Teile zugänglich machen. Die Kerne sollten nicht mit schräg stehendem Einstellbesteck gedreht werden: Bruchgefahr! Der Spulenkern des Sperrkreises ist mit Siegellack fixiert, Spiritus etwas einwirken lassen, bis er leicht beweglich wird.

Vorkreise und Oszillator

Den Abgleich von Vorkreisen und ZF-Oszillator beschreibt die folgende Abgleichvorschrift: VorkreisabgleichAbb. 12 Vorkreisabgleich

Für die Bedämpfung werden keine Details genannt. Eine RC-Kombination in Reihe (ca. 10K/1nF gegen Masse) sollte aber genügen.

ZF-Abgleich

Die Herstellerangaben von Blaupunkt sollten hierbei weiterhelfen. Das übliche Vorgehen ist hier beschrieben: VorkreisabgleichAbb. 13 ZF-Abgleich

Zusätzlich ist folgendes zu beachten:
"Um ZF-Störungen zu vermeiden wurden Geräte entweder mit der normalen Zwischenfrequenz von 468 kHz oder aber mit 473 kHz geliefert. Die Geräte für 473 kHz sind durch einen entsprechenden Aufdruck auf dem Chassis in der Nähe des Oszillatortopfes kenntlich gemacht, worauf vor Beginn der Abgleicharbeiten genau zu achten ist." (Blaupunkt Technischer Kundendienst, Heft 4 W 77, S.9)

Unser Gerät ist auf 468 eingestellt, da ein Stempel auf dem Chassis fehlt.

Saugkreis abstimmen
Der 6W78 verfügt über ein ZF-Sperrfilter, dessen Induktivität sich einstellen läßt. Die Abgleichanleitung beschreibt, wie man den Saugkreis auf die eingestellte ZF abgleicht, damit er optimal sperrt.
Hilfsmittel

Tip: Statt eines Original-Abgleichbestecks kann man sich mit einem exakt zugerichteten Bambus-Rundstab (5-6mm) behelfen. Wichtig sind abgerundete Kanten und parallel laufende Flächen der "Klinge"

Ein Abgleich kommt außerdem kaum ohne Meßgeräte aus. Für die vom Hersteller beschriebenen Abgleichroutinen wird zumindest ein Meßsender und ein (Röhren-)voltmeter benötigt. Die beiden Grundig-Geräte AS-2 und RV-3 sind noch heute betriebsfähig und erfüllen die Anforderungen. Für spezielle Messaufgaben ist ein Oszilloskop mit externem Y-Eingang, z.B. HAMEG 412, vorteilhaft.

7. Gehäuse

Aus dem Händlerkatalog von 1938 existieren Abbildungen, die ein genaues Bild des Gehäuses vermitteln. Im Unterschied zum Blaupunkt-Gehäuse in "kaukasisch Nussbaum, hochglanzpoliert" ist die Katalogbeschreibung für das Hagenuk-Gehäuse eher zurückhaltend: Edelholz, bzw. "Nußbaum dunkel".

Ordnet man den Hagenuk einem Gehäusetyp zu, so gehört er zweifellos zu den großen Geräten mit breitem Korpus und dreiteiliger Front, wobei ein Drittel die hochkant rechts stehende Skalenscheibe und die beiden anderen Drittel der Lautsprecher einnimmt. Dem Zeitgeschmack entsprechend kontrastiert die schwarze Skalenscheibe und das mattschwarzglänzende Bakelit mit den schlicht gehaltenen Furnierflächen. Typisch für die Nordmark-Empfänger ist die vertikale Aufteilung der Front mit breiter Lautsprecherkonsole.

Große Ähnlichkeiten gibt es mit dem Gehäuse des Vorjahresmodells Nordmark 648 KW sowie mit dem Blaupunkt 4W77, ebenfalls aus dem Vorjahr 1937/38. Die Unterschiede in der Frontaufteilung, in den Abmessungen und einigen Details zeigen aber eine Weiterentwicklung des 769W-Gehäuses. Die Bedienknöpfe des 769W weichen von denen des Blaupunkt 6 W 78 ab, sie haben eine flachkegelige Form mit zylindrischem Riffelrand. Die Rosetten an den Seitenknöpfen sind in der Abbildung des Händlerkataloges nicht sichtbar, sie waren aber notwendig, um die Langlöcher für die seitlichen Achsen zu verdecken. Die schwarzen Blenden mit den Alu-Bandeinlagen sind denen der genannten Vorjahresgeräte sehr ähnlich, aber im Design nicht identisch. Die drei unteren "Simse" aus Aluprofil scheinen jedoch Gleichteile zu sein. Die Skalenscheibe unterscheidet sich ebenfalls nur durch den Markennamen "Nordmark" vom Blaupunkt 6 W 78.

Nachbau des Gehäuses

Der Hagenuk 769 W scheint selten erhalten zu sein, vor allem ein Leergehäuse ist nicht aufzutreiben. Das aufgearbeitete Chassis soll also eine Gehäusenachbildung erhalten. Die wenigen Abbildungen erhaltener Geräte zeigen ein Holzgehäuse mit den für Hagenuk typischen "Lisenen". Diese Leisten teilen die Front in drei fast gleichbreite Felder auf und sind quer furniert (waagrecht verlaufende Maserung), der Sockelbereich aus Maserfurnier dagegen in senkrecht stehender Maserung. Der breite Lautsprecherausschnitt ist bespannt mit einem dunklen Stoff mit feinen Vertikalstreifen. Das positive Gesamtbild dieses den Stilmöbeln der Art Déco nachempfundenen Gehäuses wird etwas eingetrübt durch den springenden unteren Abschluß der Ausschnitte für Lautsprecher und Skala. Die Position des linken Bedienknopfes würde man lieber genau unterhalb der Lisene sehen, was aber das Chassis nicht unterstützt. Auch der rechte Knopf ist ungünstig nach am Skalenausschnitt positioniert. Ungewöhnlich ist auch die Lage der linken Lisene im Ausstrahlungskegel des Lautsprechers.

An den Seiten und oben wurde ein einfaches, streifiges Furnier in Längsrichtung verwendet. Die Viertelkreisstäbe aus Bakelit müssen ersatzweise aus schwarzem GFK nachgebildet werden. Die Dekorstreifen aus Alu können dabei eingegossen werden. Die Gehäuseabmessungen sind bekannt bzw. durch die Maße des Chassis ableitbar. Folgender Riss wurde für den Nachbau erstellt:

Risszeichnung Gehäuse Nordmark 769WAbb. 14 Vorder- und Seitenansicht mit Detailmassen

Das Originalgehäuse ist simpel auf Stoß gefertigt und innen mit Dreikantleisten stabilisiert. Ein Nachbau hält sich dadurch im Vergleich zu einer handwerklichen Fertigung zeitlich im Rahmen. Etwa die Hälfte der Zeit nehmen Furnierarbeiten und die Politur in Anspruch. Wegen des hohen Gewichts ist auf eine solide Bodenplatte und eine steife Deckelplatte wert zu legen. Das Chassis wird links in die seitlichen Bohrungen eingesteckt und die vorderen Achsen in einem Drehschwung bis zum Anschlag nach vorn eingeschoben. Damit dies funktioniert, müssen die seitlichen Bohrungen als Langlöcher ausgeführt werden, was wiederum Rosetten für die Bedienknöpfe erforderlich macht. Da die Scheibe im Rahmen "schwimmend" montiert ist, sollte er an einem Punkt so an den Deckel geschraubt werden, daß die Skala genau parallel zur Vorderfront ausgerichtet ist und außerdem sollten Filzstreifen am Ausschnitt die Scheibe abfedern.

Gehäusenachbau Nordmark 769WAbb. 15 poliertes Eigenbaugehäuse in Nußbaum-Maserfurnier bei den Abschlußarbeiten.

Das Lautsprecherpanel hat einen provisorischen Stoffbezug, ein vergleichbarer Stoff ist nicht in Sicht. Die Alu-Abschlußleisten an den Viertelstäben sind noch nicht montiert.

Links:

Hagenuk Nordmark 769 W Prospekt
RBF Radiobastler Forum Blaupunkt 4W77 Reparatur (2015)
Blaupunkt-Werke GmbH Blaupunkt Reparatur-Stückliste
MARCUS, William, LEVY, Alex: Elements of Radio Servicing, 2nd edition McGraw Hill NY 1955
STEIMEL, K. :Röhren 1934 in Europa, Teil V, Mischröhren, In: Die Telefunkenröhre Heft 2, Berlin 1934