SIERA S100U-01

- Restaurierung -

Schaltungsprinzip ........ 4-Röhren-Superheterdyne
Hersteller......................... Siera Radio S.A., Brüssel
Herstelljahr ................. 1943
Seriennummer ................. 493715
Anzahl Kreise ................ 7 Kreis(e) AM
Wellenbereiche ............ 192 ... 1910 m LW, MW
Ausstattung ...................
Spannungsversorgung . Allstrom 220V~, 110 V ~ und 110V-
Lautsprecher ................. 13 cm m. Feldspule
Leistungsaufnahme .... ca 30-35 Watt
Abmessungen (BxHxT) . 264 x 180 x 130 mm, 4 kg
Röhren .......................... UCH21, UCH21, UBL21, UY1N
Preis .............
ähnliche Typen ............. Mediator S100U, Siera S98U, Philips 203U

1. Philips Gruppe in den Jahren 1941- 45

Mit dem Einmarsch der hitlerdeutschen Truppen in die Niederlande und Belgien in Mai 1940 änderten sich die Verhältnisse in der Radioproduktion in Belgien und den Niederlanden drastisch. Die Firmeneigner emigrierten nach Großbritannien und den USA und stellten die Philips Gruppe mit dem Sitz in den niederländischen Antillen neu auf. Am Hauptsitz in Eindhoven zogen deutsche Verwalter ein und führten die Produktion im deutschen Interesse weiter. Die deutsche (und österreichische) Radioproduktion war ab 1940 ausschließlich für den Export bestimmt, im Volumen massiv geschrumpft (von 300.000 Stück/monatlich im Jahr 1939 auf 50.000 Stück in 1941) und mußte die Produktionskapazitäten für den Kriegsbedarf umstellen (Quelle: WDRI.) Unter dem Begriff "Verlagerungsfertigung in die besetzten Gebiete", verfolgte die Reichsführung den Plan, die im Reich nicht mehr verfügbaren Produktionskapazitäten auf leistungsfähige Betriebe des besetzten Auslands zu verlagern. Im Fokus dieser Verlagerung standen die unter Zwangsverwaltung stehenden Produktionsstätten der Philips Gruppe in Belgien und den Niederlanden. Gidi Verheijen (G.V.) hat dazu die Quellen recherchiert und die Geschichte von Philips in der Zeit von 1941 bis 1945 detailliert aufgearbeitet (siehe seine Artikel von 2017 in den Quellenangaben), wir beziehen uns auf seine Ergebnisse.

Als Nachfolgemodelle für die technisch betagten VE301 und DKE38, die nun in Paris und Warschau gefertigt werden sollten und für die Aufrechterhaltung der starken Marktposition im Ausland standen die von Philips entwickelten "Zwergsuper" im Mittelpunkt des Interesses, auf das Modell 203U und die davon abgeleiteten Submarken konzentrierten sich auch der Großteil der "Verlagerungsaufträge", die für die im Osten operierende Wehrmacht, den Export und als Ersatzbedarf produziert wurden. Verantwortlich für die Planung war das Speer-Ministerium für Rüstung, Hauptausschuß Elektrotechnik in Berlin, dessen verlängerter Arm das "Rüstungskommando Niederlande" die Abwicklung kontrollierte. Aber als Direktbesteller von Fertigungsaufträgen tauchen auch viele große deutsche und österreichische Firmen auf. Dezember 1942 wurden bei einem Bombardement der Royal Airforce die beiden Produktionszentren Emmasingel und Strijp in Eindhoven schwer getroffen, die Produktion kam erst wieder ab Sommer 1943 auf Touren.

Philips Werke Strijp Eindhoven um 1930

In der Exportmusterschau der Leipziger Messe 1941 stand der Zwergsuper im Zentrum des Interesses. "So sehen wir einen kleinen, leichten Zwergsuper mit Preßglasröhren der U-Reihe bei gut einem halben Dutzend von Empfängerfabriken ausgestellt; man[...] verzichtet auf alle Abwandlungen, verwendet sogar das gleiche Gehäuse, unterscheidet die Geräte vielmehr nur durch die Fabrikmarke, die in diesem Fall mehr ein Vertriebszeichen ist". E. Schwandt, Funkschau 10 1941, d.h., die Auftraggeber erweckten durch Verwendung ihrer eigenen Markenzeichen den Eindruck, es handele sich um ein Produkt ihres Hauses.



Abb. 12 Werbung für einen Zwergsuper, aus Funkschau 1941 (AEG)

Die erste Erwähnung des 203U findet sich im Besprechungsprotokoll zwischen Philips Niederlande und der Berliner "Vorprüfstelle Rundfunkgeräte-und Einzelteile-Industrie" (Prüfsstelle Elektroindustrie) am 15.1.1941, wo die Lieferung von 50.000 Stück Zwergsuper vom Typ 203U für den Export durch deutsche und österreichische Radiohersteller unter deren Markenzeichen zugesagt wird (Quelle nach G.V.).

2. SIERA Radio S.A. - eine Philips Submarke

gegründet 1932 als Societe Anonyme S.A. in Brüssel, SIERA steht für "Societe independante pour l'Exportation d'Articles de Radio" und diese Firmierung klingt nach einer reinen Vertriebsfirma, vorzugsweise für den belgischen Markt. Firmensitz und Produktionsstandort war in Brüssel, 5, rue des Augustines. Bereits bei der Gründung soll Philips im Hintergrund die Fäden gezogen haben. Ein Jahr später, in 1933 gründete Philips über eine niederländische Tochterfirma die Siera Radio N.V. in den Niederlanden. Diese Firma spielte wahrscheinlich eine Rolle beim Export der Siera-Rundfunkgeräte. Seit 1936 firmierte Siera S.A. unter dem Namen Siera Radio S.A.

Abb. 12 Werbung von Siera Radio im Stil der Dreißiger Jahre

Die ersten, technisch noch eigenständigen Siera-Modelle wurden noch von van der Heem N.V. (ERRES) in Den Haag von 1932 bis 1934 hergestellt (u.a. S6 1932, S5A, -B, -C und -S), ab 1934 aber im belgischen Philips-Werk in Löwen. Später wurden Siera-Modelle auch in Eindhoven hergestellt. Die ersten Modelle hatten eigene Chassis und wurden mit Röhren von Mullard bestückt, eine britische Firma der Philips Gruppe. Die Unabhängigkeit verlor Siera Radio S.A. 1937, als sich Philips an der Firma beteiligte und sie schließlich als 100%-Tochter übernahm. Ab diesem Zeitpunkt war SIERA nur noch eine Marke des Philips-Konzerns. Ab der Saison 1936/1937 erfolgte keine technische Eigenentwicklung mehr, vielmehr wurden Chassis von Philips in markenspezifischen Gehäusen unter dem Siera-Logo und eigenen Typennummern, die mit "S" beginnen, vertrieben.

Abb. 12 Siera Radio Werbung mit dem Geräteprogramm der Saison 1937/38

Siera Geräte waren in Belgien sehr bekannt, wurden aber auch als Exportgeräte nach vielen Ländern exportiert. Die Anpassbarkeit an die verschiedensten Netzspannungen in Europa war sicherlich ein Verkaufsargument. In einigen Ländern hatte Siera eine lokale Vertretung.

Verschiedene Modelle von Philips-Submarken basieren auf dem Philips 203U oder 204U und wurden teilweise in Eindhoven und teilweise im Ausland hergestellt. Gidi Verhoeven ist auch bei der Typbestimmung der Philips 203 und 204 und davon abgeleiteter Modelle eine große Hilfe. Mit den abgeleiteten Modellen sind die unter eigenständiger Typ- und Seriennummer laufende Modelle der Philips-Submarken zu verstehen, die alle eines der beiden Philips-Chassis verwenden. Es handelt sich dabei um die Modelle von Siera, NSF, Jura, Mediator und Pope.

Typ, Ausführung und Herstellungsjahr

Die Modelle der Philips-Submarken Siera und Mediator (S100U bzw.M100U) basieren auf dem Philips 203U und wurden in mehreren Ausführungen von Philips in Eindhoven gebaut, jedoch – nach den Codenummern auf den Skalen – einige Jahre später als das Basismodell 203U. Die Philips-Geräteliste aus dem Jahr 1955 erwähnt die Ausführungen Siera S100U, S100U-01, -02, -04, -10 und -40 sowie Mediator M100U und M100U-02. Philips lieferte wegen Produktionsverbot für die Niederlande ab 1942 nicht mehr an den lokalen Markt, produzierte aber bis Anfang Dezember 1942 und nach Sommer 1943 weiterhin in vollem Umfang: für das Ostspende-Projekt, die Wehrmacht, für Verlagerungsaufträge, für den eigenen Export in von den Besatzern genehmigte Länder, insbesondere in die skandinavischen Länder Dänemark, Schweden und Finnland sowie Südosteuropa und die Schweiz.
Die verschiedenen Ausführungen des Siera S100U (und Mediator M100U) geben auf dem goldfarbenen Typenschild nur Typ und Ausführungsnummer an, bei einigen Typen (01, 04) fehlt ein Hersteller-Logo, bei Typ 40 ist ein Siera-Logo aufgedruckt. Der späteste Datumcode ist 392 (Aufdruck Filterbecher), d.h. letzte Septemberwoche 1942. Bis die Komponenten zum Einbau gelangen, können Wochen, aber auch Monate vergehen. Zwischen Anfang Dezember und Juni 1943 war die Produktion wegen Werkszerstörung stark eingeschränkt. Die Seriennummern des S100U und M100U liegen nahe an denen des 208U im Jahr 1943, so daß wir mit Verheijen zu 1943 als Einführungsjahr des M100U und S100U tendieren. Die Seriennummer unseres Modells ist in das Chassisrückblech eingeschlagen #493715, die Typnummer ist aufgedruckt S100-01.

Abb. 12 Typ und Seriennummer

Die Ausführungsnummer 01 findet sich auch in der Philips-Geräteliste von 1955.

Zustand



Abb. Fundzustand

Der zweipolige Ein/Ausschalter wird über den Lautstärkesteller betätigt, der Schnappmechanismus ist in Ordnung, aber das Schiebestück zwischen den Kontakten fehlt bei unserem Gerät. Einer frühen Reparatur verdankt das Gerät eine extra Seitenbohrung zur Aufnahme eines Flachdrehschalters. Die Rückwand fehlt. Die Gleichrichterröhre UY1N ist defekt (Glühfadenbruch). Alle Kondensatoren im Teerverguß sind rissig. Die beiden Elkos sind total vertrocknet. Lautsprecher, AT, Drehko sind intakt. Alle Widerstände sind innerhalb der Toleranz, auch die grün emaillierten Drahtwiderstände zeigen keine Anzeichen von Überlastung. Einige Materialmängel weisen auf Engpässe hin, so sind viele Bauteilisolierungen in beigem Papier ausgeführt. Der verwendete isolierte Schaltdraht ist ausgehärtet und verliert die Isolierung bei geringstem Verbiegen. Am sonst gut erhaltenen Gehäuse ist die verschimmelte Bespannung (Papiergarngewebe) zu ersetzen und eine zerbrochene Chassisbefestigung aus Bakelit zusammenzukleben.

3. Philips Service Unterlagen

Schaltplan

Es existieren verschiedene Schaltplanausgaben für den 203U, aber für den S100U ist kein separater Schaltplan bekannt. Ein oberflächlicher Blick auf die Chassisunterseite des S100U zeigt zwar viele Übereinstimmungen, aber auch eine Reihe von Unterschieden zwischen beiden Typen, die sich auch in einem abweichenden Schaltplan niederschlagen. Statt des C110 finden wir an seiner Stelle einen Elko 100 µF, im 203U sind 6 Rollkondensatoren auf der Unterseite verschaltet, im S100U zählen wir 8. R1 fehlt beim S100U, wird durch Feldspule in der Siebkette ersetzt. Abb. zeigt den Versuch, alle die festgestellten Abweichungen in einen S100U Schaltplan zusammenzutragen, Ausgangspunkt ist der Regelien-Schaltplan zum 203U.

Abb. 12 Schaltplan (draft)

Philips gibt für den 203U Spannungen an, sie wurden vorläufig für den Siera übernommen und werden bei der Inbetriebnahme geprüft. Zur besseren Lesbarkeit sind in den Schaltplan die Philips-Bauteilnummern mit angegeben, die auch im Serviceblatt verwendet werden, auch im Verdrahtungsplan werden sie verwendet, wodurch ein schnelles Auffinden der Position möglich ist. Viele Komponenten im HF- und ZF-Bereich sind anders plaziert, eine Kontaktleiste fehlt im S100. Die im Schaltplan angegebenen Trimmer C18, C38 sucht man als solche vergebens, es sind Kondensatoren eingebaut, die anhand des äußeren Drahtwickels einstellbar sind (Auf-/Abwickeln). Die Modelle M100U und S98U und Siera S100U mit einem emaillierten DrahtWiderstand 150 Ohm auf der Oberseite zwischen dem UBL21 und der Gleichrichterröhre ausgestattet (R43). Er dient als Vorwiderstand für die Heizungskette 1,3,2. Beide Elkos sind mit 392 gestempelt, stammen also von Ende September 1942.

Unterstützte Netzspannungen

Das Gerät hat zwei runde Stecker für die Spannungsumstellung (Spannungskarussell) auf 220 V und 110 V. Ihre interne Verschaltung konfiguriert das Widerstandsnetzwerk. Das Chassis liegt über R75 (120 Ohm) galvanisch auf Netzpotenzial. Von außen wird nur die kapazitiv gekoppelte Antenne herangeführt, Ausgänge hat das Gerät nicht. Statt einer Erdbuchse wirkt das Lichtnetz als Gegengewicht.

Verdrahtungsplan Chassisunterseite

Abb. 12 Verdrahtungsplan 203U

Der leider schlecht lesbare Verdrahtungsplan für den 203U ist für den SIERA nur bedingt hilfreich. Dem Bild der Chassisunterseite des S100U-01 sind die Bauteilnummern zur besseren Orientierung mitgegeben. Abb. 12 Chassisunterseite

Für Philips typisch ist der fliegende Aufbau mit wenig Lötleiste, "3D-Verbindungen" werden oft auf kurzem Weg über Drahtwickel verlötet. Um an die tiefer liegenden Teile zu gelangen, empfiehlt sich das einseitige Ablöten störender Teile.

Bestückung

Röhren

Die ursprüngliche Röhrenbestückung des 203U ist UCH21, UCH21, UBL21 und UY21. Später wird anstelle des Gleichrichters UY21 auch der UY1N (mit einem anderen Röhrenfuß, kein Allglas, aber elektrisch gleichwertig) verwendet. Das erklärt, daß bei dem 1943 herausgekommenen Modell Siera 100U ein Gleichrichter vom Typ UY21N anzutreffen ist. Auch unser Exemplar ist mit UY21N ausgestattet. Die Kontrolllampe ist ein kleines Neonlämpchen (Z10, Codenummer A1 358 18).

5. Gehäuse

Der Siera S100U ist in einem Holzgehäuse untergebracht, genau wie der Siera S98U und der Mediator M100U. Aus lackiertem Eichenholz bestehen die Seiten, die vorn leicht nach oben verjüngt sind, der mit Lüftungsschlitzen versehene Boden ist aus 5mm-Sperrholz. Deckel und Front sind aus 5 mm Preßpappe, die an entscheidenden Stellen innen durch Holzleistchen stabilisiert ist. Die Pappe hat Lüftungsschlitze oben und kreisförmige Durchbrüche für den Lautsprecher vorn. Stabil wird das leichte Gebilde durch eine umlaufende Nut in den Seiten, in die die Pappe eingeklebt ist. Kräftige Eckklötze und eine Traversere helfen, den Aufbau in Form zu halten.

Abb. 12 Zusammenbau nach Austausch der Bespannung

Die Preßpappe ist in einem Zug mit einem kräftigen Gewebe aus ungefärbtem Papiergarn überzogen, das flächig aufgeklebt ist. Dieses Material ist feuchte- und schmutzempfindlich und dunkelt nach. (Foto Textil). Muß das Gewebe ausgetauscht werden, ist die Zerlegung des geklebten Gehäuses unvermeidlich.

Rückwand

Entsprechend der vielen Versionen des 203U bzw 204U und der Submarken gibt es eine hohe Zahl an Rückwandversionen. Der Mediator M100U und der Siera S100U haben die gleiche Rückwand aus Blech in den Außenmaßen 24 X 17 cm, sie ähnelt stark der des 203U, ist jedoch rechteckig, wie das zugehörige Holzgehäuse, sie ist schwarz lackiert und hat in den Lüftungsschlitzen oben links eine Antennenbuchse. In Höhe der herausragenden Chassisbefestigungschrauben sind seitlich Pertinaxstreifen eingenietet, die dem Berührschutz dienen. Der Bereich mit den Lüftungsschlitzen ist tiefgezogen, was die Steifigkeit des Bleches erhöht. Neben dem Fenster für die Spannungsanzeige ist eine Symboldarstellung (Netzstecker und -steckdose) aufgedruckt. Die Netzschnur ist mittig unten an einer Aussparung herausgeführt. Foto der Rückwand in der Ausführung M100u-01

Abb. 12 Rückwand M100U- bzw. S100U-01

Quelle: rmorg, Ausführung -04

5. Skala

Die Abstimmskala eines S100U (203U) zeigt nur Sender von MW + LW, die des S98U (204U) Sender von MW + KW. Auf den Abstimmskalen der Siera- und Mediator-Geräte fehlt das Philips-Logo. Die Skalenmitte ist rautenförmig, ähnlich der Kontur des Siera-Logos. Das Siera-Logo ist zusätzlich oben links an der Gerätefront als Sticker angebracht, bei manchen Ausführungen aber nur auf dem Typschild aufgedruckt.

SIERA S-100 Skala für Export Süd-Ost-Europa (Balkan)

Nach Verheijen sind Geräte mit Skalen für den Bestimmungsort Finnland (Ausführung 04) oder Südosteuropa (Ausführung 01, Balkan) am weitesten verbreitet und befinden sich hauptsächlich in ausländischen Sammlungen. Die Skalennummern befinden sich auf dem unteren Skalenrand, von außen nicht sichtbar. Die Skala unseres Geräts nennt sich "S100-Balkan" mit der Codenummer A1 898 29.2 und dem Datumcode 33.2 für Woche 32 in 1942.

Spulensatz

Die Servicedokumentation des 203U gibt für den Oszillatorspulensatz die Codenummer 7100 und für den Antennenspulensatz die Codenummer 7110 an. Bei Geräten in Sammlungen wurden für die Oszillatorspulen neben dieser Codenummer 7100 auch die Nummern 7101 und 7104 gefunden. Gidi stellte für den Siera S100U ebenfalls diese Nummern fest. Unser Gerät hat andere Nummern: 7101 und 7110 für den Oszillator und 7122 und 7132 für die Antennenkreise. Die tatsächliche ZF wäre noch zu ermitteln. Philips-Spulensätze sind durch Sicken im Alubecher ab Werk vorabgeglichen und haben keine induktiv wirksamen Abgleichmittel.

Aufbau Philips Bandfilter

Durch die Verwendung keramischer Kreiskondensatoren sind stabile Kreisresonanzen zu erwarten.

Lautsprecher

Der originale Lautsprecher im 13-cm-Format besitzt beim S100U-01 eine Feldspule (ca 550 Ohm). Anscheinend ist dies auch beim Mediator M100U der Fall. In den 203U-Schaltplänen ist dies nie eingetragen.

Abb. 12 Lautsprecher

. Die Feldspule ist wie allgemein üblich als Drossel in die Siebkette integriert (Siehe Schaltplan).

Teilaustausch Verdrahtung

Hart gewordene Drahtisolierungen sind bei den Philipsgeräten dieser Zeit allgemein bekannt. Beim Herauslösen der größeren Kondensatoren sind leider Bewegungen der Nachbarverdrahtungen nicht zu vermeiden und die hart gewordenen Drahtisolierungen zerbröseln. Da das Allstromgerät bis zu 50 °C heiß wird, ist beim Ersatz auf hitzefeste Isolierhüllen v.a. im Bereich des Leistungswiderstands und der Endröhre zu achten. Beim 203U wurden z.T. Keramikperlen zur Isolierung verwendet, das ist bei diesem Gerät nicht der Fall. Der Ersatz der Isolierung ist bei der kompakt gehaltenen Verdrahtung mühselig. Alle Drahtverbindungen am Netzeingang und den darauffolgenden Drahtwiderständen waren thermisch belastet und besonders spröde und rissig, oft sogar schon abgekrümelt. Dadurch liegen Netzspannung führende Drähte sehr dicht an Chassis und Röhrenkontakten. Diese Drahtisolierungen wurden erneuert (Silikonmantel) und an den Durchführungen in Nähe der Lötkontakte des großen Drahtwiderstands zusätzlich mit Glasfasergewebeschlauch verstärkt. Der blank gewordene Antennendraht hatte im Chassisdurchbruch Vollkontakt. Die langen Zuleitungsdrähte zum Glimmlämpchen waren ebenfalls knackig hart und mußten neu gemacht werden. Der defekte Netzschalter wurde vorerst nur gebrückt, da kein Ersatzteil für diese Philips Spezialausführung in Sicht ist. Ein Austausch von Poti und Schalter stellt jedenfalls einen brachialen Eingriff dar, denn die Verdrahtung wäre großflächig zu erneuern.

Austausch Kondensatoren

Die ausgetrockneten Elkos wurden ausgetauscht, wobei die seltene Form des C75 erhalten blieb. Beim C1 verhüllt der Papierwickel das Neuteil. Für die typischen schwarz geteerten Papierkondensatoren von Philips wurden Gußformen in zwei Größen erstellt, in die moderne Komponenten vergossen wurden.

Abb. 12 Ersatzkondensatoren

. Die Keramikkondensatoren sind nicht zu beanstanden und verbleiben im Gerät.

Austausch Bespannung

Die schlechten Nachrichten zuerst: Für den Austausch der Bespannung muß das Gehäuse komplett zerlegt werden. Am Gerät sind die Spuren von erfolglosen Zerlegungsversuchen unübersehbar. Die verleimten Eckverstärkungen müssen mit vorsichtigen Schlägen auf die Innenkante der Seiten gelockert werden. Sie lösen sich an der Preßpappe. Die Nut muss restlos von alten Leimresten gesäubert werden, dann passt auch der spätere Zusammenbau, ohne das sich das Gehäuse verwindet. Die alte Bespannung ist mit Leimwasser geklebt. Die Oberfläche der Preßpasse glatt schleifen. Zum Aufbringen des neuen Gewebes beginnt man an der Oberkante und leimt die Teilflächen einzeln mit dünnflüssigem Knochenleim vor - bei den Klebungen ist Knochenleim den modernen Klebern vorzuziehen, denn er läßt sich leichter lösen.

Abb. 12 Komplette Zerlegung für Austausch der Bespannung

Das originale Papiergarngewebe wird kaum mehr erhältlich sein. Es gibt aber ähnliche Stoffe in Leinwandbindung als Ersatz. Für unser Gerät wurde eine handgewebte Leinwand aus Brennesselfasern ausgewählt, die sehr gut zum Eichenholz passt und wenig schmutzanfällig ist.

Abb. 12 Zusammenbau mit neuer Bespannung

foto neue Bespannung

Wiederinbetriebnahme

Vor dem ersten Netzspannungskontakt empfiehlt es sich, mit dem Ohmmeter nach groben Fehlern im Netzeingang zu suchen. Kann überhaupt Strom fließen? Hierzu müssen alle sauber geputzten Röhren und einer der beiden Spannungswahlstecker gesteckt sein. Bei 220V~ wurden 980 Ohm zwischen beiden Netzkontakten gemessen. Zieht man eine Röhre der Kette 1,3,2 steigt der Wert auf 55 kOhm, zieht man stattdessen Röhre 4, wird nur noch 0L angezeigt. Für 110 V~ liegen alle Werte niedriger: alle Röhren gesteckt: 350 Ohm, eine Röhre aus 1,3,2 gezogen 695 Ohm. Bei diesen Werten können schon mal brutale Kurzschlüsse im Eingangsspannungsteiler ausgeschlossen werden. Bleibt die Anzeige auf unendlich, muß die Verdrahtung nachgeprüft werden. Natürlich kann auch ein Fadenbruch im Gleichrichter diese Anzeige erzeugen.
Das Allstromgerät wird nicht direkt an das Stromnetz, sondern an einen (Stell-)Trenntrafo angeschlossen. Dazwischen kann ein Amperemeter eingeschleift sein. Alle Bedienknöpfe sind angeschraubt, das Chassis befindet sich in stabiler Seitenlage, um Spannungen messen zu können. Vorher wurden die Punkte identifiziert, an denen Messungen vorgenommen werden sollen.
Verlassen des Testbetriebs, Anschluß an das Stromnetz: Minusleitung m u s s auf N-Leiter liegen. Spannungen Beim Hochdrehen der Spannung meldet sich zuerst die rötlich glimmende Anzeigelampe, ab etwa 200 Volt glühen alle Röhren. Ein Netzbrumm ist nicht zu hören. Im Lautsprecher sind Kratzgeräusche beim Bedienen der Lautstärke zu hören, beim Umschalten des Wellenschalters leichtes Knacken, typisches Rauschen beim Durchdrehen der Abstimmung fehlt. Vom Leistungswiderstand können Rauchzeichen aufsteigen, weil Putzmittel oder Öl- und Wachsreste verdampfen, das sollte nach ein paar Minuten aufhören.
Gleichspannungen werden gegen Minus gemessen (An diese Leitung sind alle Elkos mit - angeschlossen, am besten mit Geräten ohne Erdpotential). Heizspannungen An der Heizung liegen 47,8 V an, das ist nahe am Soll. Über der Heizungskette 1,3,2 sind 110 Volt zu messen, hier sollten idealerweise nur 90 V (50+20+20) abfallen). Anoden- und Schirmgitterspannungen Die Anodenspannung an der Kathode der neuwertigen UY21N ist mit 142 V statt der beim 203U angegebenen 165V signifikant zu niedrig. Demzufolge werden alle abgeleiteten Spannungen auch niedriger sein. Kritisch ist die Funktion der NF-Triode, die nur mit der Mindestanodenspannung betrieben wird. Da besteht Optimierungsbedarf. Möglicherweise liegen alterungsbedingte Abweichungen vor, die durch Parallel- bzw. Vorwiderstände kompensiert werden müssen. Leider helfen die im Schaltplan des 203U angegebenen Werte für R39 und R40 nicht, der speziell im S100 hinzugekommene R43 ändert die Verhältnisse. Bewertung: der Netzspannungseingang von S100U und 208U-45P ist mit ähnlichen Werten bestückt und liefert sogar nur 110V an der Gleichrichterkathode. Für die Höhe der Netzspannung sollte man also den 203U nicht als Richtschnur nehmen. Signalverfolgung mit einem spannungsfesten batteriebetriebenen Prüfsummer wurden die Stufen durchgeprüft: g1_UBL21 kräftiger Pfeifton, g1T_UCH21 (R11 schlecht zugänglich) starkes Pfeifen, Signal an Antenne, Wellenschalter horizontal: sehr kräftiger Pfeiton, vertikal: Stille Auch hier ist noch etwas zu tun. Prüfung von Allstromgeräten mit netzbetriebenen Messsendern Prüfplatz isolierte Unterlage. Prüfsenderausgang ist Koaxialbuchse 75 Ohm mit Außenleiter auf Erdpotential (z.B. AS2). Prüfobjekt ist an Trenntrafo angeschlossen. Prüfkabel Außenleiter wird mit dem Minus-Leiter oder dem Chassis sicher verbunden. Damit wird dieser Leiter auf Potential des PE-Leiters gezogen. Prüfstiftspitze des AS2 ist spannungsfest bis 630V- (ggf. mit WIMA MKP-10, 10nF). Zur Vermeidung vagabundierender Ströme im Prüfgerät nicht parallel ein weiteres netzbetriebenes Prüfgerät ans Prüfobjekt anschließen. Nicht auf die Idee kommen, beide Geräte über Trenntrafo laufen zu lassen.

Links

Lit./Quellen https://www.radiomuseum.org/forum/abgestimmbare_bandfilter_mit_konstanter_bandbreite.html
MARTENS, W. , Het Philips ontvangtoestel type 203U (“Philetta”), Radio Historisch Tijdschrift, 54, 1990, pag. 69-71
VERHEIJEN, Gidi: Het Radiotoestel in de Tweede Wereldoorlog, 2009, Deutsch: Das Runndfunkgerät im Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden, 2010
VERHEIJEN, Gidi: Radios und Röhren aus dem KZ in: Funkgeschichte 207 (2013)
VERHEIJEN, Gidi: Radios für den Zivil- und Exportbedarf im Kriege, in: Funkgeschichte 234 2017, S.149
VERHEIJEN, Gidi: PHILIPS 203U en afgeleide Modellen, in: Radio Historisch Tijdschrift Nummer 164, 1 2018
VERHEIJEN, Gidi: PHILIPS 204U en afgeleide Modellen, in: Radio Historisch Tijdschrift Nummer 165, 2 2018
WIGAND, R.: Ein neuer Zwergsuper in: Funkschau 1941, H. 8, S. 73ff
SCHWANDT, E. Empfänger-Entwicklung im Kriege in: Funkschau H. 10 1941