Potentiometer reparieren

- Reparaturanleitung -

Problem

Die Ersatzbeschaffung von Potentiometern gestaltet sich Jahrzehnte nach Produktionsende oft schwierig. Statt dem Kauf von oft zweifelhafter Altware kann sich die Reparatur lohnen, denn ältere Teile sind groß, robust und gut zu öffnen.

Von Siemens bzw. AEG wurden in den 1930er Jahren Potentiometer hergestellt und in Rundfunkgeräten unter der Marke Telefunken verbaut, die auch nach 80 Jahren einen Reparaturversuch lohnen. Stellvertretend für viele andere Typen ähnlicher Konstruktion (z.B. Preh aus den fünfziger Jahren) soll die Reparatur eines dieser Potentiometer aus Telefunken-Geräten gezeigt werden. Bei der Instandsetzung eines Telefunken T875 WK Modells von 1938 („Zeesen“) fiel ein Potentiometer auf, dessen Mittenkontakt “in der Luft hing“, d.h. beim Drehen der Achse zeigte der Schleiferkontakt ständig mehr als 20 MOhm an, die Widerstandsbahn hatte aber den korrekten Widerstandswert von 1,5 MOhm. Der Verstärker reagierte darauf mit einem deutlichen Brummen und herabgesetzter Lautstärke und diese konnte natürlich nicht eingestellt werden. Die Ursache dieses Ausfalls kann simpel sein, findet sich aber erst nach dem Öffnen.

1. Ausbau

Zunächst muss das Potentiometer abgelötet und ausgebaut werden. Häufig findet man Konstruktionen mit einer Hohlachse für Bandspreizung und Tonblende und einer durchgehenden Achse für Potentiometer und Netzschalter. Die Potiwelle muss frei in der Hohlwelle beweglich sein. Dann reicht es, alle Zuleitungen abzulöten (merken!) und die Sechskantschraube am Poti zu lösen (kleiner 15er Schlüssel). Anschließend demontiert man den Schalter durch Lösen einer weiteren Sechskantschraube (16er Schlüssel). Das Potentiometer kann nun entnommen und außen gereinigt werden.

2. Öffnen

Für die folgenden Schritte auf staubfreien Arbeitsplatz achten. Die anfallenden Bohrspäne sofort entfernen. Drei M2-Schrauben mit Mutter sowie eine helle Unterlage sowie einen Bohrschraubstock bereitlegen. Ein Ohmmeter ist hilfreich. Nun bohrt man mit 2,5 mm die Nietköpfe einer nach dem anderen vorsichtig aus. Ist ein Niet herausgedrückt, sofort mit einer M2-Schraube sichern. Die Nietreste werden nicht mehr benötigt. Die schiebbare Potiwelle wird von 2 Sprengringen gehalten. Diese vorsichtig entfernen und beiseite legen. Die Welle vorsichtig herausziehen. Nun das Gehäuse mit der Hand gegen die Federspannung zusammendrücken, alle M2 wieder herausnehmen und dann den Deckel und alle weiteren Teile vorsichtig abnehmen und seitenrichtig untereinander wie in der Abb. auf die Ablage legen,

Potentiometer zerlegt

3. Reinigen

In der Regel ist das Innere des Potentiometers verstaubt und die Schleifbahnen zeigen Abnutzungsspuren. Den Abrieb von Widerstandsbahn und separater Schleiferbahn gründlich entfernen (Q-Tip), zäh gewordenes Fett an der Welle durch frisches ersetzen.

3. Ursachenforschung

Die Schwachstelle des Potis ist der federnde Schleifer mit jeweils einem Kohlestift für Widerstands- und Schleiferbahn. Wenn man die Federringe genau untersucht, stellt man als Ursache fest, dass zu wenig Federdruck auf dem abgenutzten Schleiferkontakt auf der Innenbahn wirkt. Wer ein altes Poti hat, kann nun ein weniger abgenutztes Kohlestiftchen einsetzen. Wie in diesem Fall genügt es aber vollkommen, beide Federringe, besonders aber den kleineren inneren Federring etwas von Hand nach außen zu biegen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Abbildung zeigt die Gegenheiten.

Potentiometer zerlegt

Testweises Einbauen des Schleifers bestätigt, daß nun die Kontaktgabe wieder funktioniert – kleine Ursache, große Wirkung!

3. Zusammenbau

In umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen. Beim Montieren der Schrauben darauf achten, daß die Bohrungen der Scheiben genau übereinanderliegen (einen konzentrischen Dorn einstechen, um die Scheiben zum Fluchten zu bringen). Die Kontaktgabe nochmal prüfen und dann die Schrauben so fest anzuziehen, daß sich nichts mehr verschiebt und zuletzt mit Schraubensicherung oder Lack die Muttern fixieren –fertig!