Telefunken Super T875 WK "Zeesen"

- Wartung und Reparatur -

Der Super T875WK von Telefunken ist ein Gerät aus dem mittleren Leistungssegment aus 1938/39 mit folgenden Daten:

Schaltungsprinzip ........ Röhren-Superhet mit ZF 468 kHz
Hersteller......................... Telefunken Deutschland (TFK), (Gesellschaft für drahtlose Telegraphie Telefunken mbH, Berlin
Herstelljahr ................. 1938/39 Seriennummer: 37301
Anzahl Kreise ................ 7 Kreis(e) AM, 3 Bandfilter
Wellenbereiche ............ Lang-, Mittel- und Kurzwelle (ab 16 m)
Ausstattung ................... Zweibandregler, zweistufiger Schwundausgleich, NF-Gegenkopplung, Orthoskop, VDE-Anschlüsse für hochohmigen Zusatzlautsprecher und Plattenspieler
Spannungsversorgung . Wechselstrom 110 - 125 - 150 - 220 - 240 Volt, 50 ...100 Hz
Lautsprecher ................. 1 dynamischer Breitband-Lautsprecher mit Feldspule
Leistungsaufnahme .... 66 W
Abmessungen (BxHxT) . 568 x 349 x 310 mm
damaliger Preis ............ 238,75 RM
Röhren .......................... ACH1 - AF3 - ABC1 - AL4 - AZ1 Ab 1940 Nachfolgemodell mit E-Röhren
ähnliche Typen ............. T875GWK (Allstromgerät mit C-Röhren), Phono 875 (mit Plattenspieler), T875WK "Orfeus", T875WKK "Undine"

1. Rundfunk im Jahr 1939

Zwar geht es auf dieser Seite darum, den Empfänger wieder in Betrieb zu nehmen. Der Kontext der Zeit, aus dem das Gerät stammt, kann aber nicht unerwähnt bleiben.

Der Name "Zeesen"

Der Name des Geräts leitet sich ab von dem Kurzwellen-Großsender ("Weltrundfunksender") Zeesen in Brandenburg, am südlichen Rand von Berlin gelegen. Der Sender war zu Beginn der Olympischen Spiele in Berlin 1936 verstärkt worden. Ein 500m hoher Mast und 50 kWatt Leistung waren geeignet, auf Kurzwelle fast die ganze Welt mit der Propaganda und den Lügen des Großdeutschen Rundfunks zu überziehen. Der Rundfunk wurde gleichgeschaltet und sendete im ausschließlichen Interesse der Reichsführung. In Zeesen sendeten zuerst der „Deutschlandsender“, dann der „Deutsche Kurzwellensender“, zuletzt „Die Deutschen Überseesender“.

Die Reichsverordnung Rundfunk von 1939

Zum Kriegsbeginn 1939 wurden die Reichsbürger bei Strafe verpflichtet, das Abhören feindlicher Sender (gemeint: alle Auslandssender) zu unterlassen. In der Reichsverordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen wird argumentiert, dass „jedes Wort, dass der Gegner herübersendet, selbstverständlich erlogen sei, und das Volk seelisch zermürben soll".

Das Gerät wurde im Mai 1939 erworben. Telefunken attestierte zu der Zeit dem Gerät einen "erstklassigen Kurzwellenempfang" und pries ihn an als Fernempfänger für Tag- und Nachtbetrieb mit außerordentlicher Trennschärfe.

Während der Pionierzeit des Radios in den Zwanzigern stand der Kopfhörer für den individuellen Radiogenuß. Der Radiohörer, "Radionist" wurde häufig als in sich versunkenes und dem Kunstgenuß ergebenes Individuum abgebildet. In den dreißiger Jahren wendete sich das Blatt. Radios sollten nicht einzelne Individuen, sondern große Gruppen per Lautsprecher mit Ansprachen versorgen. Schulradios und Betriebsradios wurden installiert. Zuhause sollte die ganze Familie den Reden des Führers, dem Bericht der Wehrmacht oder dem "Wunschkonzert" lauschen. Folgerichtig hatten die modernen Geräte für die gute Stube keinen Kopfhöreranschluß mehr. Zum Fernempfang mußte der Lautsprecher sehr leise eingestellt und am besten in einem Hinterzimmer aufgestellt sein...

Beim Verkauf dieser Geräte hing bereits dieser rote Warnhinweis am Netzkabel oder Lautstärkeregler. Die unterste Parteiebene hatte zu kontrollieren, dass der Zettel bei jedem Verkäufer und späteren Besitzer gut sichtbar angebracht war.



Wir wissen nicht, ob dieses Gerät nach 1939 ausgiebig als Weltempfänger genutzt wurde. Das Abhörverbot war ernst zu nehmen, kam es doch 1941 sogar zu Todesstrafen wegen Modifikationen am Kurzwellenteil von Radios (entfernte Spulen wurden wieder eingebaut). Das Gerät hat die Kriegswirren überstanden und die Jahrzehnte der Nachkriegszeit auf Dachböden verbracht. Es soll nun im Alter von 80 Jahren wieder zum Leben erweckt werden...

2. Bedienungshinweise

Netzspannung

Das Gerät ist auf eine Netzspannung von 240 Volt einstellbar. Hierzu muss nur der Anschluß mit Dreiecksmarkierung (3) am Trafo umgesteckt werden (Rückwand entfernen).

Antenne

Das Gerät hat keine interne Antenne. Optimalerweise erfolgt der Betrieb an einer externen Außenantenne (Langdraht) oder an einer Zimmer-Rahmenantenne (1). Die Kurzwelle ist auch heute die interessantere Welle, weil auf LM und MW weitgehend Stille herrscht. Für den Testempfang auf Kurzwelle in der Nacht reicht oft bereits ein Draht von 1-2 m Länge.

Zweibandregler

Laut Beschreibung von Telefunken: Linksanschlag=beste Trennschärfe und Dämpfung der Höhen. Bei Rundfunkempfang sollte man nur in Ausnahmefällen von der Normalstellung (Einrastpunkt in der Mitte) nach links drehen. Im Kurzwellenbetrieb ist der Zweibandregler (9) von der Normalstellung so weit nach rechts zu drehen, wie es die Trennschärfeanforderungen noch gestatten. Bei Schallplattenwiedergabe dreht man nach links, um das Nadelgeräusch zu dämpfen.

Bedienungelemente

Phonoanschluss

Am Phonoanschluss (11) sollten MP3-player mit ihrem Line-out-Ausgang angeschlossen werden. Deren Kopfhörerausgang ist fehlangepasst und gibt nur einen dumpfen Klang. Für den Anschluss gab es den Phonostecker (Hirschmann), der antiquarisch noch erhältlich ist. In dem Stecker ist Platz für die Stereo-nach-Mono-Beschaltung, die Kanäle sind über je einen 4,7 kOhm-Widerstand zusammenzuführen. Der heisse Pol der Phonobuchse ist links, am Stecker ebenfalls markiert. An diesen Steckerpol die Diodenleitungen zusammenlegen. Auf den anderen Pol das Massengeflecht legen.

MP3-Player sind bei diesem Gerät ohne eigenes (Schaltregler-)Netzteil zu verwenden, damit keine direkte galvanische Verbindung zum Netz besteht.

Zusatzlautsprecher

Die VDE-Steckbuchsen für den Zusatzlautsprecher sind als primärseitige Ausgänge (10) ausgelegt und führen Anodenspannung gegen Masse. Hier dürfen keine niederohmigen Lautsprecher direkt angeschlossen werden. Ein zusätzlicher Ausgangsübertrager oder ein hochohmiger Lautsprecher ist erforderlich.

3. Modifikationen am Gerät

Erhaltung der Authentizität

Alterspatina und das originale Erscheinungsbild sollen sowohl am Gehäuse als auch am Chassis weitestgehend erhalten bleiben. Um einen bestmöglichen Kompromiß zwischen Originalität und Nutzbarkeit zu gewährleisten wurden optisch ins Auge fallende Änderungen auf die Chassisunterseite gelegt. Probleme bereiten die großen Kapazitäten 1μF und der 25 μF-Elko auf der Oberseite, die in auffälligen Hartpapierröhren ausgeführt, aber defekt sind. Sie wurden am Platz belassen, auf der heißen Seite abkontaktiert und fixiert. Ihr Ersatz fand Platz auf der Unterseite. Ebenso wurden die Alubecher von Lade- und Siebelko nicht ersetzt, sondern neu befüllt.

Oberflächen wurden gereinigt, aber die Korrosionsschichten an Magnesiumgußteilen wurden weitgehend belassen. Flugrost an Lautsprecher und Trafo wurde mit Öl weggerieben. Die bruchempfindlich gewordenen Drahtisolationsschläuche wurden mit Leinölfirnis aufgefrischt.

Netzantenne

Wird auf die sogenannte „Netzantenne“ umgeschaltet (1), wird die Empfangseinheit über einen spannungsfesten Kondensator mit dem Stromnetz verbunden, sofern das Gerät eingeschaltet ist. Heute ist diese Lösung unzweckmäßig (Erdleitungsnetz) und birgt für den Anwender ständiges Gefahrenpotential.

Der Antenneneingang ist auf Langdraht eingestellt. Abweichend vom Original wurde der Umschalter neutral montiert, die Zuleitung abgelötet und das Ende isoliert. Gleichwohl ist ein neuer spannungsfester Kondensator am Netzschalter angebracht.

Feinsicherung

Das Gerät hat von Haus aus keine Stromsicherung. Nur der Trafo ist mit einer mechanisch arbeitenden „Thermosicherung“ gegen Überhitzung ausgestattet. Bei Überhitzung löst diese Sicherung aus. Zur Entfernung der ausgelösten Sicherung sind die beiden losen Kupferstreifen zu entfernen.

Abweichend vom Original wurde eine Feinsicherung „flink“, 0,4 A in die innere Netzzuleitung eingeschleift

4. Gehäuse

Ende der 1930er Jahre entwickelten Telefunken/AEG hochbauende Gehäuse, in denen Lautsprecherfront und Wellenskala die ganze Gehäusebreite einnahmen und übereinander gestaffelt waren. Das noch aus Buchenholzleisten bestehende Chassis wurde an die Frontseite angeschlagen und konnte komplett mit Lautsprecher ausgebaut werden und die Spannungsversorgung (Trafo, Gleichrichterröhre und Lade-/Siebelko) war weiterhin als getrennte Einheit am Gehäuseboden befestigt. Vorteil dieses Designs für den Servicetechniker: Nach Abnahme des Bakelitrahmens war die Chassisrückseite ohne Ausbau von vorn zugänglich. Die 3-teilige Skala war oben leicht angewinkelt angeordnet und konnte im Stehen optimal eingesehen werden. Die Kurzwellenskala war unbeleuchtet, der Wellenschalter weiterhin an der rechten Seite. In den Folgejahrzehnten hat sich aber nicht diese, sondern die umgekehrte Anordnung mit Skalenscheibe unten und Lautsprecherwand oben durchgesetzt (z.B. T963 "Condor")

Das furnierte Gehäuse ist innen und außen wurmstichig. Innen wurde das Holz durch Einspritzen von Zelluloselösung insbesondere dort stabilisiert, wo Holzschrauben Halt finden müssen. Die großen Wurmlöcher aussen wurden mit verdünntem Holzleim und Möbelwachskitt geschlossen. Außer Reinigen und Nachpolieren war nichts an der furnierten Oberfläche zu tun.

Die Bakeliteinfassung vorn ist an einem Schraubgewinde durch Montagefehler gebrochen. Der Rahmen kann mit Acrylatkleber stabilisiert werden. Das M3-Gewinde muss vorsichtig nachgeschnitten werden. Ölschliff entfernt den überstehenden Kleber.

Das Gewebe des Lautsprecherstoffs ist dünn geworden und am Ausschnitt unten auf 10 cm Länge gerissen. Einen wirklich passenden Ersatzstoff gibt es nicht. Vorerst wurden einzelne Fäden auf der Rückseite angeklebt, die den Riss stabilisieren und das Gewebe straffen.

-Frontansicht nach Aufarbeitung-

5. Überarbeitung des Chassis

Rückansicht nach Revision

Ausbau

An Geräten aus den Dreißiger Jahren ist neben den Problemen, wie sie an jüngeren Geräten aus den 50er und 60er Jahren bereits auftreten, mit zusätzlichen Problemen durch Materialermüdungen zu rechnen. Dazu gehören Versprödungen an Isolierstoffen, Schwächung durch Auskristallisation an Spritzgußteilen, Brüchigkeit bei (Hart-)Papieren und Pappen, sowie Draht- und Seilbruch. Verschraubungen und Hohlwellen können fest- oder durchgerostet sein. Schon beim Chassisausbau muss man darauf vorbereitet sein und entsprechend umsichtig vorgehen.

Alle Knöpfe abschrauben. Die Verschraubung der hölzernen Trafoplatte an der Unterseite lösen. Einen passenden Holzklotz unter den schweren Lautsprechermagneten schieben und die 2 seitlichen Halterungen des Chassis an der Front abschrauben. Jetzt können Chassis und Trafoplatte gleichzeitig aus dem Gehäuse gezogen werden. Für die weitere Arbeit vorteilhaft ist eine Platte als Chassisunterlage. Vorne bringt man eine Leiste an, schiebt das Chassis bis zu diesem Anschlag und unterlegt den Lautsprecher wieder mit dem Holzklotz. Die ganze Bewegung muß auch die Trafoplatte mitmachen.

Verkabelung

Die originale Netzzuleitung ist eine 2-adrige Gummischlauchleitung, die brüchig und unbrauchbar geworden ist. Der originale Stecker, schwarzes Bakelit mit 2 Polen, war nicht mehr vorhanden. Auch die inneren Zuleitungen zum Netzschalter waren brüchig und wurden ausgetauscht. An den Zuleitungen zum Anzeigeinstrument (Orthoskop) war die Isolierung ebenfalls abgefallen.

Transformatoren und Drosseln

Die Wicklungen wurden geprüft. Die Primärwicklung hatte Durchgang, die Anodenwicklungen hatten jeweils 330 Ohm. Äußerlich waren keine Spuren von Überhitzung erkennbar. Der Ausgangsübertrager und die Feldspule/Drossel waren ebenso durchgängig.

Netzschalter

Zum Einschalten drückt man den Knopf (4), zum Ausschalten zieht man ihn vom Gerät weg. Der 2-polige Schalter reagierte an einem Pol nicht. Er konnte problemlos geöffnet werden. Eine Reinigung der Kontakte führte zum Erfolg.

Glühlampen

Alle Glühlampen waren entweder ganz erloschen oder in der Leistung stark herabgesetzt. Es handelt sich um eine Kugellampe 4V 0,3A Bajonettsockel und zwei Anzeigelampen 4V 0,6A, Sockel E10. Bei einer Lampe war die Ursache eine morsche Isolierscheibe im Inneren der Fassung, wodurch der Mittelkontakt keine feste Verbindung zur Fassung mehr hatte. Mit einer passenden Pertinaxscheibe und einer M2-Schraube lässt sich dies schnell beheben.

Lautstärkeregler

die Widerstandsbahn wurde mit 1,9 MOhm gemessen. Der Mittelabgriff hatte keinen Kontakt. Die Reparatur ist hier beschrieben.

Zweibandschalter

Das Drehen des Knopfes nach links schaltete die Tonblende nicht, der Stahldraht hatte sich geweitet. Nach Unterlegung mit Distanzhülse am Schalthebel schloß sich der Kontakt wieder.

Lade- und Siebelko

In die originalen Alubecher wurden neue Elkos (C84, C85) mit 550V- eingebaut. Der Elko (C92) im Papierrohr wurde belassen, die +Seite abgetrennt und auf der Unterseite ein neuer 25 μF/80V angebracht.

Austausch der Papierkondensatoren

Die vorhandenen Siemenskondensatoren im schwarzen Glasröhrchen, mit Teerpropfen verschlossen, wurden aus Alterungsgründen gegen moderne Folienkondensatoren (Spannungsfestigkeit 400 - 1,2kV-) getauscht. Auf der Chassisoberseite wurden die Glasröhrchen neu befüllt und wieder mit Teer verschlossen.

  • C19 50nF, ersetzt durch 47 nF, 1.5 kV
  • C40 100nF, ersetzt durch 100 nF, 1.5 kV
  • C47 50nF, ersetzt durch 47 nF, 1.5 kV
  • C67 20 nF, ersetzt durch 22 nF, 1.5 kV
  • C70 1 μF, Prüfspannung 1200 V in Papierrohr belassen, heiße Seite abgeknipst, auf der Unterseite WIMA MKS 1 μF, 630V- eingesetzt
  • C57 50 μF/15V-, Kathoden-Elko der Endröhre, ersetzt durch 50 μF/50V
  • C73 5 nF, Koppelkondensator zur Endröhre, ersetzt durch 5 nF, 1.5 kV
  • C80 5nF, ersetzt durch 5 nF, 1.5 kV
  • C64 0,15μF /125V-, ersetzt durch 0,15 μF/250V
  • C90, 91 Entstörkondensator an den Anoden getauscht (2 x 5nF, 1.2kV-)
  • C95 / C67: 250 pF, Kondensator für Netzantenne, Innenleben ausgetauscht gegen 220pF, 1 kV
  • C96 500 pF, Kondensator für Drahtantenne, Innenleben ausgetauscht gegen 560pF, 1 kV

Bei der Fertigung wurden die Anschlüsse vor dem Löten durch die Lötösen geführt und umgebogen. Daher nicht an den Teilen ziehen, besser vorher abknipsen. Den Austausch Teil für Teil durchführen, damit sich keine Kontaktierungsfehler einschleichen.

An den Röhrenfassungen geht es eng zu. Dennoch dürfen beim Austausch von Teilen Lage, Länge der Zuleitungen und Massepunkte nicht geändert werden. Das Foto zeigt die korrekte Lage der Bauteile vor dem Teileaustausch.

Unterseite des Chassis

Schaltplan

Schaltplan mit Spannungswerten des Revisionsexemplars in eckigen Klammern

Röhrenplan

Dieser 6- Kreis AM- Super mit einer ZF von 468kHz ließ für die damalige Zeit keine Wünsche offen, zumal die Geradeausempfänger noch weit verbreitet waren. Der große elektrodynamische Lautsprecher und die kräftige Lausprecherröhre AL4 sorgen für einen guten Ton. Das zweite Diodensystem der ABC1 sorgt mit der Regelpentode AF3 für die Schwundregelung.

6. Erste Inbetriebnahme

Erstes Anschließen ans Netz mit einer 60 Watt-Vorschalt-Glühbirne zeigte einen normalen Strombedarf: nach einem kurzen Aufleuchten für die Lade-/Siebelkos und das Anheizen der Röhren ging die Helligkeit stark zurück.

  • Nach der Anheizphase war ein deutliches Brummen zu hören.
  • In der Schalterstellung Plattenspieler reagierte die Endstufe auf einen Schraubenzieher am Eingang mit weiteren Brummgeräuschen.
  • Alle Röhren wurden geheizt.
  • Der Trafo blieb handwarm.

Alle weiteren Schritte wurden nun direkt am 230-Volt Netz durchgeführt.

  • Direkt am Netz betrieben setzte laut ein tiefes Brummen (50Hz) nach Anheizen der Röhren ein.
  • In der Stellung Kurzwelle konnten an einer Wurfantenne am Tag Sender empfangen werden, die das Brummen übertönten.
  • Abstimmung und Trennung waren in Ordnung.
  • Auch auf Lang-und Mittelwelle konnten einige Sender empfangen werden.
  • Die Lautstärke war mäßig und nicht regelbar, aber wegen des defekten Lautstärkepotentiometers so zu erwarten. Nach der Reparatur des Potentiometers war die Lautstärkeregelung wieder normal, aber der Brummton blieb.
  • Das Anzeigeinstrument warf keinen sichtbaren Schatten, die bewegliche Lamelle reagierte aber auf Wechsel der Feldstärke bzw. schwankenden Anodenstrom der AF3.

Behebung des Netzbrumms

Die AL4 wurde auf Kathodenschluß geprüft – negativ.
Alle Änderungen durch Bauteilwechsel wurden nun nachkontrolliert. Am wieder eingebauten Becher für den Glättungselko konnte ein an der Lötstelle abgebrochener Anodendraht zur AZ1 festgestellt werden, der frei in der Luft hing.
Anscheinend wurde die Wechselstromphase dadurch nur bis 180° gleichgerichtet, also brummte es mit 50Hz. Nach Anlöten war das Brummen verschwunden.
Hält man das Ohr direkt vor den Lautsprecher, kann man noch ein leichtes Summen wahrnehmen, ein Zeichen für eine funktionierende Zweiwege-Gleichrichtung. In 1 m Entfernung hört man davon nichts mehr. Es ist davon auszugehen, daß bei der originalen Bemessung der Lade-/Sieb-Elkos dies der korrekte Zustand ist.

Instandsetzung des Orthoskops

Vor dem Aufkommen der ersten „magischen Augen“ wurde bei Telefunken/Siemens/AEG als Abstimmanzeige ein sog. Orthoskop (auch Schattenzeiger, nicht zu verwechseln mit einem Otoskop) eingesetzt, zuerst 1934 im Spitzenmodell T656 WLK „Deutschland“. Andere Hersteller verwendeten diesen Anzeiger ebenfalls: Bei Körting unter dem Namen „Optikator“, (Modell Körting Cyclo-Selektor SB4340), bei Braun (Modell 4GW6) und Mende (Modelle Ultraselektiv 450 und Super 1934W). Mehr zu diesen Schattenzeigern unter Ernst Erb: History of tuning indicators (2009)

Das Anzeigeinstrument liegt nach Schaltplan in der Anodenleitung des ZF-Verstärkers AF3. An einer Feldspule fallen etwa 25V der Anodenspannung ab und erzeugen ein veränderliches Magnetfeld, das auf eine drehbar gelagerte Lamelle innerhalb der Feldspule einwirkt. Erhöht sich der Strom, wird die Lamelle abgelenkt und erzeugt einen proportionalen Schatten.

Reparatur

Während der Prüfung der Empfangsleistung setzte die Anzeige aus, die Lamelle bewegte sich nicht mehr.
Nach Prüfung des Instruments zeigte sich, dass die Feldspule keinen Durchgang mehr hatte. Sie ist mit sehr feinem Draht (ca. 0,07mm Durchmesser) gewickelt. Durch die lange Lagerzeit kann das Kupfer oder die Lackisolierung brüchig geworden sein (Grünspan sicheres Zeichen). Es ist daher möglich, dass die Spule plötzlich durchbrennt. Leider muß die Spule dann neu gewickelt werden. Einen vergleichbaren Fall beschreibt "Wie funktionieren eigentlich Schattenzeiger". Die Spule soll einen ohmschen Widerstand von 3.0 bis 3.2 kOhm haben und zieht dann bei 25 Volt einen Strom von etwa 7-8 mA.

Test

Zum Testen steckt man die Hülse mit der Lamelle in die Öffnung der Feldspule, bis sie bündig hinten anschlägt und richtet ihre Drehachse horizontal aus. Evtl. muß die winzige Justierschraube an der Hülse genutzt werden (Uhrmacher-Schraubendreher!), um das Lager der Lamelle leichtgängig zu machen. Ölen sollte man hier nicht. Der hufeisenförmige Permanentmagnet hält sie in einer vertikalen Position. Nun kann man eine variable Gleichspannung 0 ... 25 Volt an die Spule anlegen und den Ausschlag der Lamelle beobachten. Sie neigt sich umso stärker nach vorn, je mehr Strom fließt. Wenn soweit wieder alles funktioniert kann man sich um den Wiedereinbau und die Justierung kümmern. Eine neue Glühlampe sollte man noch spendieren (4 V, 0,3A, E10).

Justierung

Beim T875 ist der Schattenzeiger auf einer Seite mittels Lasche am Chassis montiert. Er ist am Ende drehbar vernietet, um den Leuchtkegel vertikal einstellen zu können. Am anderen Ende der Lasche ist die Höhe einstellbar. Die Glühlampe ist an der Lampenbefestigung ebenfalls in der Höhe verstellbar.

Servicehinweise zur richtigen Einstellung sind nicht zu finden. In der folgende Zeichung wurde versucht, den Strahlengang zu rekonstruieren, um den richtigen Projektionswinkel zu finden.


Glühlampe justieren: Rändelrädchen lösen und den Lampenhalter in der Höhe so verschieben, dass durch die Glühwendel betrachtet, die Lamelle nur als schmaler Strich erscheint.

Ruhestellung einstellen: Glühlampe mit externer Spannung zum Leuchten bringen und den Schattenzeiger so einstellen, dass die Schmalseite der Lamelle als Schatten zwischen der oberen und unteren Skaleneinteilung (Vertikalstrich) sichtbar ist.

Projektionswinkel justieren: Bei laufendem Gerät prüfen, ob die Lamelle richtig ausschlägt. Ggf. müssen die Wicklungsanschlüsse vertauscht werden. Über die vertikale Verstellmöglichkeit kann die Lage des Lichtbalkens noch optimiert werden. Die Abbildung zeigt die Anzeige bei einem Sender mittlerer Feldstärke. Ähnlich wie das Lichtband einer EM84 verkleinert sich der mittlere Schattenbereich bei einem starken Sender.

7. Abgleich

Ein Abgleich war nach Austausch der gelisteten Bauteile nicht notwendig, sie sind alle nicht frequenzbestimmend. Es ist beeindruckend, daß die frequenzbestimmenden Bauteile nach 80 Jahren noch im Toleranzbereich liegen.

Sollte die Empfangsqualität zu wünschen übrig lassen oder die Sender nur schwer abzustimmen sein, ist von einem testweisen Verstellen von Trimmern und Kernen dringend abzuraten. Schon die Mechanik bildet eine erste Hürde: durch den Wachsverguß sind die Kerne fixiert und das spröde Material bricht leicht. Für den erfolgreichen Abgleich ist ein tieferes Verständnis der Materie Voraussetzung. Einen Einstieg dazu bietet u.a. die ausführliche Seite Wumpus Welt der Radios.

Die Herstellerangaben zu Abgleichschritten und Abgleichpunkten helfen weiter. Ein Abgleich kommt außerdem kaum ohne Meßgeräte aus. Für die vom Hersteller beschriebenen Abgleichroutinen wird zumindest ein Meßsender und ein Röhrenvoltmeter mit Nullpunkt in Mittelstellung benötigt.
Abgleichschritte Telefunken T875
Mechanische Vorbereitung
Ausschalten der Fadingregelung durch Anlegen einer negativen Hilfsspannung von -3 Volt über je einen Widerstand von 10 K-Ohm an die Punkte A und B (vgl. Bild Abgleichpunkte). Pluspol an Masse.
Beim Kurzwellenabgleich keine Hilfsspannung.
ZF-Abgleich.
ZF = 468 KHz (bzw. 473 KHz)
Abgleichen Punkte 4 3 2 1
Oszillator-Abgleich.
Mittel:
Zeiger auf 1314 KHz, Punkt5
Zeiger auf 600 KHz, Punkt6
Lang:
Zeiger auf 200 KHz, Punkt7
Kurz:
Zeiger auf 14,29 MHz, Punkt8
Zeiger auf 6,25 MHz, Punkt9
Vorkreis-Abgleich.
Meß-Sender an Antennenbuchse.
Mittel:
Zeiger auf 1314 KHz, mit 200 pF gegen Masse bedämpfen, PunktC
Abgleichen Punkt10
Bedämpfungskondensator auf PunktD
Abgleichen Punkt11
Zeiger auf 600 KHz, Bedämpfungskondensator auf PunktC
Abgleichen Punkt12
Bedämpfungskondensator auf PunktD
Abgleichen Punkt13
Lang:13
Zeiger auf 160 KHz, Bedämpfungskondensator auf PunktC
Abgleichen Punkt14
Bedämpfungskondensator auf PunktD
Abgleichen Punkt15

Lage der Abgleichpunkte